INHALT

GESTÄNDNISSE VON HEMPHER

Ihlâs Stiftung Band – 5

  1-Anfang

  2-Vorwort

  3-Kapitel-I / 1. Teil

  4-Kapitel-I / 2. Teil

  5-Kapitel-I / 3. Teil

  6-Kapitel-I / 4. Teil

  7-Kapitel-I / 5. Teil

  8-Kapitel-I / 6. Teil

  9-Kapitel-I / 7. Teil

10-Anmerkung

11-Kapitel-II
Britirche Feindschaft gegen Islam

12-Kapitel-III Zusammenfassung

13-Nachwort

14-Islamische Wissenschaften

15-Gelehrtheitsstufen Nach Der Islamischen Rechtswinssenschaft Bzw. Der Rechtsgelehrten

16-Gattungen der Islamischen Gelehrten

17-Islamische Bezeichnungen Für Bestimmte Grußgebete Bzw. Rituelle Wünsche Und Verehrungsäusserungen

18-Glossar

19-Hadis-i Scherif


GESTÄNDNISSE

von
Hempher, einem britischen Spion und
Britische Feindschaft gegen den Islam

 

M.Sýddýk Gümüþ

4. Auflage

Verlag:

 HAKÎKAT KÝTÂBEVÝ
Darüþþefeka Cad. No: 57 P.K. 35
34262-Fatih-ÝSTANBUL/TURKEI
http://www.hakikatkitabevi.com
e-mail: bilgi@hakikatkitabevi.com
Tel: (90-212) 532 58 43-524 36 21-523 45 56
Fax: (90-212) 525 59 79
1998

 

Satz und Druck:

Ýhlâs Matbaacýlýk Gazetecilik Yayýncýlýk
Sanayi ve Ticâret A.Þ. ÝSTANBUL Tel: 0.212.454 29 38

 

Meine Antworten beim Verhör in meinem Grab:

Mein Schöpfer ist ALLAH, der Erhabene, mein Prophet der heilige Prophet Muhammed, Friede sei mit Ihm. Meine Religion ist Islam, mein heiliges Buch, der heilige Koran, meine Gebetsrichtung die heilige Kaaba, meine Glaubenslehre die Lehre der Anhänger der Sunna, meine Rechtsschule die Rechtsschule von Imam-ý a’sam Ebû Hanîfe. Sübhanallachi welhamdülillachi we lâ ilâche illallachü wallachü ekber we lâ hawle we lâ kuwwete illâ billachil aliyyil asîm.[1]
____________________

[1] ALLAH, der Erhabene, ist frei von allen Fehlern und Fehleigenschaften. ALLAH, dem Erhabenen, sei Dank. Es gibt keinen Gott außer ALLAH, dem Erhabenen. ALLAH ist der Größte. Es gibt keine Kraft und keine Macht außer bei ALLAH, dem Erhabenen und Allmächtigen

 

 

Bestätigung von Dschâmi’ul Ezher müdîr-i âm [dem Rektorat der islamischen Üniversität Ezher]:

Es wurde genehmigt, die zweiundfünfzig Religionsbücher, die von der Ihlâs-Stiftung in der Türkei verfasst und veröffenlicht wurden, zu veröffentlichen und auszuführen. Kairo den, 14.12.1994

K.K., Leiter der Abteilung
für Abfassung und Übersetzung
der islamischen Üniversität Ezher

 

Vorwort

 

ALLAH, der Erhabene, hat in dem heiligen Koran, mit dem 82. heiligen Vers der Sure Maide (Der Tisch) berichtet, dass die größten Feinde des Islams die Juden und die Götzendiener sind. Der erste Jude, der zum ersten Mal die Zwietracht stiftete, um den Islam innerlich zu zerstören, war Abdullah bin Sebe aus Jemen. Er gründete die Sekte Schiismus gegen die Anhänger der Sunna, die rechten Muslime. Die Juden, die in jedem Jahrhundert als schiitische Gelehrte erschienen, verstärkten diese Sekte. Die Schaden, welche diese Juden dem Islam angerichtet hatten, sind in den Büchern namens Hýyanet-ül-yehûd (Verrat des Juden), das von dem Verlag Mektebet-üs-sahâbet-il-Ýslâmiyye in Kuweit und Er-redsch-lüs-sanem (Abgottmann), das in Beirut veröffentlich wurden, erläutert worden. Nachdem der heilige Prophet Jesus, Friede sei mit ihm, in den Himmel aufgenommen war, wurden verfälschte Evangelien niedergeschrieben und die meisten Christen wurden aus diesem Grund Götzendiener. Diejenigen, die nicht Götzendiener waren, wurden deswegen ungläubig, weil sie nicht an den heiligen Propheten Muhammed, Friede sei mit Ihm, glaubten. Diese Christen und die Juden nennt man Schriftbesitzer.

Nachdem der Islam verkündet wurde, endete die Herrschaft der Kirche im Mittelalter. Daraufhin wurden missionarische Gesellschaften gegründet, um den Islam zu vernichten. In diesen Taten waren die Briten Vorgänger. In London wurde das Kolonialministerium gegründet. Sie griffen mit ungläublicher Hinterhältigkeiten und politischen und militärischen Kräften den Islam an. Hempher war einer von tausenden Spionen bzw. Agenten, die von dem Kolonialministerium herangebildet und in jedem Land beauftragt wurden. Die Briten haben durch Hempher 1125 nach Hedschra (1713 n.Chr.) in Basra Muhammed aus Nedschd betrogen und jahrelang über ihn verfügt und 1150 n.Hed. (1738 n.Chr.) die Sekte Wahhabismus gegründet.

Hempher ist ein britischer Missionar, der von dem britischen Kolonialministerum in Ägypten, Irak, Iran, Hedschas und in Istanbul, der Residenz des Kalifen, beauftragt wurde, Spionage zu treiben, um dem Christentum zu dienen, indem er die Muslime betrog. Wieviel Mühe die Feinde des Islams, sich auch immer gaben, um den Islam zu vernichten, konnten sie dieses Glaubenslicht ALLAHs, des Erhabenen, nie auslöschen. Denn ALLAH, der Erhabene, teilte in den 12. und 63. heiligen Versen der Sure Jûssuf (Joseph) und im 9. heiligen Vers der Sure Hidschr (El-Hidschr) im heiligen Koran dem Sinn nach mit: “Siehe, wir sandten die Warnung herab, und siehe, wir wollen sie hüten.”

D.h. die Ungläubigen können den heiligen Koran nicht verfälschen und nicht vernichten. Seit 14 Jahrhunderten haben die Muslime in der Wissenschaft, Moral, Technik, Kunst, Politik und im Handel Fortschritte gemacht, indem sie sich auf dem segensreichen Weg des heiligen Korans bemühten. Sie haben große Staaten gegründet. Nach der französischen Revolution 1204 (1789) begannen die Jugendlichen in Europa aus dem Christentum auszutreten und Atheisten oder Muslime zu werden, indem sie Lügen, Betrug, Ausbeutung und Unrecht der Kirche und die Verfälschung des Christentum einsahen. Je mehr sie sich vom Christentum fernhielten, desto mehr machten sie Fortschritte in der Wissenschaft und Technik. Denn das Christentum hinderte, sich wissenschaftlich und technisch zu bemühen. Aufgrund der Abneigung gegen das Christentum verfassten diese Jugendlichen viele Bücher, in denen auch die himmlischen Religionen verachtet wurden. Auch manche Muslime, die diese Bücher lasen und durch Lügen und Verleumdungen von britischen Agenten getäuscht wurden, wurden unwissend in religiöser Hinsicht. Je mehr sie sich von dem Islam entfernten, um so mehr gingen sie in der Wissenschaft und Technik zurück. Denn der Islam gebietet sowohl für das weltliche, als auch jenseitige Leben Fleiß zu verwenden und Fortschritte zu machen.

Die grundsätzliche Politik des britischen Staates ist, Naturstoffe auf der Welt besonders in Afrika und Indien auszubeuten, deren Menschen als Arbeitstier zu führen und alle Gewinne nach England zu befördern.

Diejenigen, die sich zum Islam, einer Religion, die Liebe, Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft gebietet, bekehrt haben, verhindern die Lügen und Grausamkeiten dieser britischen Politik.

Unser Buch teilt sich in drei Abschnitte:

Das erste Kapitel hat 7 Teile und besteht aus den Geständnissen des britischen Spions. Hier werden gemeine Lügen und Pläne dieser britischen Politik aufgedeckt, die dazu dienen, den Islam zu vernichten.

Im zweiten Kapitel wird erklärt, wie die britischen Politiker ihre Pläne in islamischen Ländern heimtückisch ausgeführt, die Staatsmänner getäuscht, die Muslime auf unvorstellbare Weise unterdrückt und endlich indische und osmanische Staaten, die den Islam vertraten, gestürzt haben. Dieser Abschnitt enthält viele Beweise, die die Bücher der Gelehrten der Sunna bestätigen und diejenigen, die in die Falle des Wahhabismus geraten sind, aus dem Schlaf der Unachtsamkeit erwachen lassen.

Das dritte Kapitel ist eine Übersetzung aus dem Buch Hulâsat-ül Kelâm (Zusammenfassung der Worte), die dem Leser Beweise für die Richtigkeit des Islams vorlegt.

n.Chr.                   n.Hed.                  Mondjahr n.Hed.
1998                   1376                          1419           

 

Kapitel-I
1. Teil

Hempher gesteht folgendes:

Unser Land, Großbritanien, ist sehr groß. Wie die Sonne im Osten über seinen Meeren aufgeht, geht sie auch wieder im Westen über seinen anderen Meeren unter. Die Herrschaft unseres Staates über Indien, China und andere Kolonialländer im Nahosten ist nicht so mächtig wie früher. Diese Länder stehen nicht mehr völlig unter unserer Aufsicht. Doch wir treiben eine aktive und erfolgreiche Politik. Bald werden wir wieder über alle diese Länder herrschen.

Es gibt für uns zwei wichtige Punkte:

1. Die von uns eroberten Länder weiter zu beherrschen.

2. Es uns zum Ziel zu machen, andere Länder in Besitz zu nehmen.

Das biritische Kolonialministerium hatte zur Ausführung dieser zwei Missionen je eine Kommission für diese Länder bestimmt. Als ich im Ministerium tätig war, vertraute mir der Minister und beauftragte mich mit der Leitung der Ostindischen Gesellschaft. Diese Gesellschaft war scheinbar eine Handelsgesellschaft, in der Tat aber hatte sie die Mission, allerlei Mittel zu erforschen, um große und breite Territorien von Indien in Besitz nehmen zu können.

Unsere Regierung machte sich keine Sorgen um Indien. Denn Indien war ein Land, wo verschiedene Völker leben, unterschiedliche Sprachen und grundverschiedene Interessen zusammen existieren. Wir hatten auch keine Befürchtung um China. Denn man befürchtete es nicht mehr, dass die Religionen Buddhismus und Konfuzius in China wieder wirksam würden. Der Grund dafür war, dass diese beiden Religionen tote Religionen sind, die mit dem sozialen Leben keineswegs in Verbindung stehen und nur zu predigen pflegen. Aufgrund dessen lag der Patriotismus den Völkern dieser beiden Länder völlig fern. Wir, die britische Regierung, waren um diese zwei Länder keinesfalls besorgt. Aber wir ließen eventuelle Ereignisse in der Zukunft auch nicht außer acht. So machten wir langfristige Pläne zur Ausbreitung von Zwietracht, Ignoranz und Armut und sogar Infektionskrankheiten in diesen Ländern. Dabei folgten wir den Sitten und Gebräuchen der Völker dieser zwei Länder. Dadurch gelang es uns, unsere Absichten geheim zu halten.

Die Lage der islamischen Länder störte uns ziemlich. Mit dem kranken Mann (Hier weist er auf das osmanische Reich hin) schlossen wir, alle zu unseren Gunsten, einige Verträge ab. Erfahrene Leute des Kolonialministeriums redeten davon, dass dieser Kranke in absehbarer Zeit, eher als ein Jahrhundert, den Tod finden würde. Außerdem schloßen wir noch heimlich mit der iranischen Regierung einige Verträge und setzten laut diesen Verträgen die Staatsmänner, die wir zu Freimaurern gemacht hatten, in diesen beiden Ländern ein. Diese zwei Länder wurden demoralisiert, weil die Staatsmänner, die in der islamischen Religion unwissend waren, sich mit schönen Frauen vergnügten und so ihre Verantwortungen und Pflichten vernachläßigten, sowie wegen ihrer Bestechlichkeit und miserablen Verwaltung. Trotzdem befürchteten wir aus den folgenden Gründen, dass unsere Leistungen uns nicht zum erwartenden Ergebnis führen würden:

1. Die Moslems sind fest an den Islam gebunden. Jeder von ihnen ist dem Islam so treu ergeben, wie die Pfarrer und Prediger an das Christentum. Wie bekannt opfern die Pfarrer und Mönche lieber ihr Leben, aber sie treten niemals aus dem Christentum aus. Die gefährlichsten sind die Schi’iten in Iran. Denn sie sehen die Nichtschi’iten als ungläubig und unrein an. Im Auge der Schi’iten sind die Christen gleich mit stinkendem Schmutz. Es ist ja dem Menschen gegeben, sich zu bemühen, mit allen möglichen Mitteln den Schmutz zu beseitigen. Eines Tages fragte ich einen Schi’iten: “Warum betrachten Sie die Christen als ungläubig und unrein?” Seine Antwort war folgendes: “Der Prophet des Islam war ein weiser Mensch. Er setzte Ungläubige unter Druck, damit diese auf den rechten Weg kommen und sich zum Islam, der Religion ALLAHs, bekehrten. Es ist bekannt, dass auch ein Staat einen, den er für gefährlich hält, unter strengem Druck hält, bis er gehorsam wird. Die obenerwähnte Unreinheit gilt nicht als Mittel zum materiellen Druck, sondern zum geistigen. Es gilt nicht nur für Christen, sondern auch für Sunniten (Anhänger der Sunna) und alle Ungläubigen. Sogar die früheren Feueranbeter in Iran sind in den Augen der Schi’iten unrein.”

Ich erwiderte ihm: “Gut. Die Sunniten und Christen glauben auch an ALLAH, an die Propheten, und an den Jüngsten Tag. Weshalb sollten sie unrein sein?” Seine Antwort lautete: “Es gibt zwei Gründe dafür: Erstens bezichtigen sie St. Muhammed, der Lüge. Gott bewahre.[Diejenigen, die den heiligen Propheten des Lügens bezichtigen, sind jedoch die Schi’iten und die Christen. Anschauungen, Worte und gemeine Taten der Schi’iten, die dem heiligen Koran und den heiligen Aussprüchen des heiligen Propheten widersprechen, sind in den Büchern von Anhängern der Sunna wie es-Sawâîq-ul-Muchrîka, Tuchfa-i isnâ ascherijje, Tejid-i Echl-i Sünnet, Nâhijje, Eshâb-ý Kirâm, Hudschedsch-i Kat’ijje, Milal-wen-Nihal festgestellt, erklärt und auch widerlegt. Ahmed bin Hadscher Mekkî, Verfasser des Buches es-Sawâýq, starb 974 (1566) in Mekka bzw. Abd-ül-’asis, Verfasser des Buches Tuchfa 1239 (1824), in Delhi; Imâm-ý Rabbânî Ahmed Farukî, Verfasser des Buches Te’jîd, 1034 [1624 n.Chr.] in Sirhind in Indien; Abd-ül-’asis Ferharewi, Verfasser des Buches Nâhije, 1239 (1824); Abdülhakim Arwâsî, Verfasser des Buches "Eshâb-ý Kirâm" (Gefährten des heiligen Propheten) 1362 (1943) in Ankara; Abdullah Suwedjdie, Verfasser des Buches Hudschedsch, 1174 (1760) in Bagdad; Muhammed Schihristânî, Verfasser des Buches Milal, 548 (1154) auch in Bagdad.] Gegen diese Beschuldigung sagen wir ihnen nach dem Leitwort: ‘Wer dich belästigt, den darfst du belästigen’: ‘Sie sind doch unrein.’ Zweitens erheben die Christen schwere Vorwürfe gegen die Propheten ALLAHs. Zum Beispiel sagen sie: ‘Jesus trank Wein (Alkohol). Weil er ein Verdammter war, wurde er gekreuzigt.’ ”

Im Erstaunen erwiderte ich: “Die Christen reden nicht so wie du es behauptest.” Er reagierte auf mein Wort: “Nein, du weißt nichts davon. Alles, was ich sagte, steht doch in der Bibel.” Nun musste ich nichts mehr sagen. Der Mann hatte zwar beim zweiten Thema unrecht, aber doch beim ersten recht. Ich wollte die Diskussion nicht weiterführen. Denn es konnte Verdacht erwecken, obwohl ich in islamischer Tracht war. Deshalb hielt ich mich immer von jeder Diskussion fern.

2. Einst war der Islam die Religion der Verwaltung und des Urteils. Und die Muslime waren heilig. Es ist schwer die Geschichte dieser Menschen zu verleumden und ihnen zu sagen: “Nun seid ihr Knechte. Dass ihr einst Ehre und Ansehen gehabt hattet, war unter bestimmten Umständen erforderlich. Jene Zeit ist vorbei und nicht mehr wiederzuerleben!”

3. Wir befürchten sehr, dass die Osmanen und Perser es bemerken würden, was wir ihnen für Schaden antaten und dass sie unsere Pläne und Unternehmen zum Scheitern bringen würden. Diese zwei Staaten hatten zwar im großen Maße ihre Macht verloren, aber wir konnten überhaupt nicht sicher und froh sein, da sie Eigentümer, Waffen und eine herrschende, zentrale Regierung hatten.

4. Wir fühlten uns sehr beunruhigt gegenüber den islamischen Gelehrten. Denn die Gelehrten aus Istanbul, El-Ezher, aus dem Irak und Damaskus standen auf dem Wege zu unseren Zielen, wie jeweils nicht zu beseitigende Hindernisse. Sie waren solche Menschen, die sich von den irdischen Gelüsten abgewandt hatten, und sich für das im Koran verheißene Paradies vorbereiten und ihren eigenen Prinzipien haargenau folgen. Das Volk gehorchte ihnen und sogar der Sultan fürchtete sich vor ihnen. Die Sunniten befolgten die Gelehrten nicht so sehr wie die Schi’iten. Denn die Schi’iten lasen fast kein Buch und erkannten nur die derzeitigen Gelehrten an, hatten aber vor dem Sultan zu wenig Respekt. Dagegen lasen die Sunniten viel und achteten sowohl die Gelehrten als auch den Sultan.

Wegen dieser Tatsache haben wir Sitzungen organisiert. Aber jedesmal stand ein Hindernis auf unserem Weg. Die von unseren Spionen und Agenten zu uns gelangten Berichten waren jedesmal enttäuschend. Auch die Sitzungen waren gescheitert. Trotzdem gaben wir unsere Hoffnung nicht auf. Denn es ist ja uns, Briten eigen, tief Atem zu holen und auszuhalten.

An einer unserer Sitzungen nahmen selbst der Kolonialminister, die Priester mit hohem Rang und einige Spezialisten teil. Wir waren alle zwanzig. Aus dieser drei-stündigen Sitzung kam nichts heraus. Da sagte doch ein Priester: “Macht euch darum keine Sorge! Denn das Christentum fand erst nach dreihundertjähriger Unterdrückung Verbreitung. Hoffen wir, dass Messias uns aus der unbekannten Welt her, auch wenn es drei Jahrhunderte lang dauerte, Gehör schenkt und dadurch uns ermöglicht, die Ungläubigen (hier meinte er die Muslime) aus ihrem Gleichgewicht zu bringen. Wir sollten hierfür einen starken Glauben haben und uns mit Geduld und Ausdauer ausstatten. Wir sollten auch jede Gelegenheit ausnützen und mit allen Mitteln versuchen, die Herrschaft in die Hand zu nehmen. Dazu sollten wir uns noch darum bemühen, das Christentum unter den Muhammedanern zu verbreiten. Es wäre gut, auch erst nach Jahrhunderten zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Denn die Väter arbeiten ja für ihre Kinder.”

Im Kolonialministerium wurde eine Konferenz veranstaltet, an der die Diplomaten und die Geistlichen aus Frankreich und Russland nebst England teilnahmen. Ich hatte viel Glück. Da ich mit dem Minister gute Beziehungen hatte, konnte ich mich auch daran beteiligen.

Auf der Konferenz wurden Pläne dafür gemacht, wie die islamische Welt aufgelöst werden sollte und wie man die Muslime von ihrem Glauben abbringen und christianisieren könnte, wie es in Andalusien vorgekommen war. Doch die Ergebnisse waren nicht die erwünschten. Alle Gespräche auf diesem Konferenz sammelte ich in meinem Buch To The Unknown World Of Messiah (Zur unbekannten Welt von Messias hin).

Es ist sehr schwer, einen Wurzel geschlagenen Baum, aus dem Boden zureißen. Wir müssen aber das, was schwer ist, “leicht”machen und alle Schwierigkeiten überwinden. Das Christentum ist zur Verbreitung da. Das versprach uns unser Herr, Messias. Die ungünstigen Umstände, in denen sich die Ost-und Westwelt befanden, standen Muhammed bei. Nachdem diese schlechten Umstände vorbei waren, verschwand auch alles Missgeschick [mit diesem Missgeschick meint er den Islam.] Wir kamen nun zu der Feststellung, dass sich der Zustand in der Welt geändert hat. Die Muslime sind jetzt auf dem Wege zum Rückgang. Dagegen steigt das Christentum empor. Es ist die höchste Zeit, die seit Jahrhunderten vermißten Länder wieder zu gewinnen. Der mächtige Staat “Großbritanien” ist der Vorkämpfer dafür, den Islam zu vernichten.

 

Kapitel-I
2. Teil

1122 n.Hed. (1710 n.Chr.) beauftragte mich der Kolonialminister damit, erforderliche und genügende Auskunft zur Auflösung der islamischen Welt in Ägypten, Irak, Hedschas (Mekka, Medina) und Istanbul einzuholen. Hierfür beauftragte er ausser mir zugleich auch noch neun Personen, die lebhaft und mutig waren. Dabei wurden uns unter anderem genug Geld, eine Landkarte und nötige Informationen, auch eine Liste der Staatsmänner, der Gelehrten und der Führer der Stammvölker ausgehändigt. Es ist für mich gar nicht zu vergessen, wie der Ministerialsekretär uns beim Abschied anredete: “Die Zukunft unseres Staates hängt von eurem Erfolg ab. Deshalb müßt ihr euch mit aller Kraft darum bemühen!”

Ich machte mich auf den Weg nach Istanbul, dem Kalifatszentrum des Islams. Neben meiner eigentlichen Mission musste ich auch die osmanische Sprache sehr gut beherrschen. Ich hatte schon in London türkisch, arabisch, die Sprache des Korans, und persisch gelernt.

Ich machte mir gar keine Sorge dafür, ob die Muslime mich in Verdacht zogen. Denn die Muslime sind nachsichtig und aufrichtig und haben ein reines Herz, wie sie es von ihrem Propheten Muhammed erfahren haben. Sie sind nicht so skeptisch wie wir. Außerdem hatte die osmanische Regierung damals keinen wirksamen Geheimdienst zur Verfolgung der Spionen.

Nach einer anstrengenden Seefahrt traf ich in Istanbul ein. Ich stellte mich den Leuten als Muhammed aus Nedschd vor und ging wie die anderen Muslime in die Moschee. Es gefiel mir sehr, dass die Muslime diszipliniert, sauber und gehorsam waren. Einmal fiel mir folgendes ein: “Warum kämpfen wir gegen diese unschuldigen Menschen? Hatte uns unser Herr, Messias dies empfohlen?” Aber ich jagte sofort diesen satanischen Gedanken aus meinem Kopf und entschloss mich fest, meinen Auftrag am besten auszuführen.

In Istanbul machte ich mich mit einem alten Gelehrten, namens Ahmed Effendi bekannt.

Ich bewunderte die Vornehmheit, Liebenswürdigkeit, das reine Herz und die Hilfsbereitschaft dieses Gelehrten. Diese Eigenschaften waren bei unseren Geistlichen nicht anzutreffen. Er bemühte sich Tag und Nacht darum, so zu leben wie der Prophet Muhammed. Nach seinem Glauben war der vollkommene und beste Mensch Muhammed, der Prophet. Immer wenn er von Ihm sprach, kamen ihm Tränen in die Augen. Ich hatte also großes Glück, denn er fragte mich nicht einmal danach, wer ich war und woher ich kam. Er sprach mich mit dem Beinamen “Muhammed Effendi” an. All meine Fragen beantwortete er, benahm sich zu mir gütig und mitleidig. Denn er sah mich als einen Gast an, der sich mit dem Zweck in Istanbul aufhielt, in der Türkei zu arbeiten und im Schatten des Kalifen des Propheten Muhammed zu leben. Eigentlich legte ich auch überall das als Vorwand vor, um in Istanbul bleiben zu können.

Eines Tages sagte ich Ahmed Effendi: “Mein Vater und meine Mutter sind schon tot. Sie hinterließen mir nichts. Ich kam nach Istanbul, um mein Brot zu verdienen, den heiligen Koran und die Kenntnisse über den Islam zu lernen, mit anderen Worten; sowohl mein irdisches Leben ohne finanzielle Schwierigkeiten zu führen, als auch mir ein gutes jenseitiges Leben vorzubereiten. Diese Worte von mir machten ihm Freude und er sagte darauf: “Aus drei folgenden Gründen sollte man vor dir Respekt haben.” All seine Worte darüber gebe ich unten genau an:

1. Du bist ein Muslim. Alle Muslime sind Brüder.

2. Du bist ein Gast. Unser heiliger Prophet Muhammed sagte sinngemäß aus: “Bedient eure Gäste.”

3. Du willst arbeiten und verdienen. Darüber gibt es eine heilige Hadith (Spruch vom Propheten Muhammed): “Wer arbeitet, ist Freund ALLAHs, des Erhabenen.”

Mit diesen Worten von ihm war ich sehr zufrieden. Ich überlegte mir wie folgt: “Wenn es doch auch im Christentum solch prächtige und herrliche Prinzipien gäbe! Schade, dass es keine von denen in unserer Religion gibt. Was mich noch in Erstaunen setzte war, dass die islamische Religion trotz ihrer Erhabenheit, in der Hand jener hochmütigen und antisozialen Menschen immer schwächer wurde und niederging.”

An Ahmed Effendi wandte ich mich mit der Bitte: “Ich will den Koran lernen.” Daraufhin sagte er: “Ja gerne, ich lehre dich den Koran lesen.”Und er begann seinen Unterricht mit der Sure “Fatiha”. Nach dem Lesen erklärte er auch manche Sätze. Manche Wörter auszusprechen fiel mir sehr schwer. In zwei Jahren hatte ich den ganzen Koran rezitiert. Jedesmal wenn er den Koran rezitierte, nahm er zuerst die rituelle Waschung vor und ließ auch mich dies tun. Er wandte sich zuerst zur Kýble (Richtung nach Ka’aba) und ließ mich dann rezitieren.

Was die Muslime, als rituelle Waschung bezeichnen, heißt, manche Organe prinzipiell in einer Reihenfolge zu waschen. Das geschieht der folgenden Reihe nach:

1. das Gesicht,

2. den rechten Arm von den Fingern bis zum Ellenbogen,

3. den linken Arm von den Fingern bis zum Ellenbogen,

4. den Kopf, die Ohren und den Hals (diese werden nicht gewaschen, sondern nur mit nassen Händen berührt),

5. die Füße.

Miswak zu benutzen störte mich anfangs ziemlich. Miswak ist eine Art Zahnbürste aus dem Ast des Zahnbürstenbaumes, mit dem man nach dem Essen und vor der rituellen Waschung die Zähne putzt. Am Anfang glaubte ich, dass Miswak für den Mund und die Zähne schädlich wäre. Ab und zu ließ es auch mein Zahnfleisch bluten.

Doch ich sollte es weiter benutzen. Denn nach ihrem Glauben war es eine erforderliche Handlung des Propheten. Außerdem berichteten sie von dem großem Nutzen dieses Baumes. Tatsächlich hörte dadurch die Blutung meines Zahnfleisches auf. Der schlechte Mundgeruch, den die meisten haben, war bei mir auch verschwunden.

Solange ich in Istanbul war, wohnte ich bei einem Moscheediener gegen ein bisschen Geld. Er hieß Merwan Effendi. Merwan ist eigentlich der Name eines der Gefährten des Propheten Muhammed. Dieser Diener war sehr nervös. Er rühmte sich seines Namens immer und ermahnte mich so: “Wenn du in Zukunft einen Sohn hast, so empfehle ich dir, ihm den Namen “Merwan” zu geben. Denn Merwan ist ein Name, den einer der großen Glaubenskämpfer des Islams trug.”

Mein Abendessen bereitete mir immer Merwan Effendi vor. An jedem Freitag, dem Feiertag der Muslime ging ich nicht zur Arbeit. Ich arbeitete bei einem Tischler namens Hâlid gegen Wochenlohn. Weil ich nur halbtags arbeitete, gab er mir die Hälfte dessen, was er seinen Arbeitern als Arbeitslohn bezahlte. Der Tischler erzählte mir in den freien Zeiten oft von denTugenden von Hâlid bin Welîd. Hâlid bin Welîd war einer der Gefährten des Propheten Muhammed und gleichzeitig ein großer Glaubenskämpfer. Er eroberte viele Länder für den Islam. Jedoch tat es meinem Arbeitgeber Halid leid, dass Omar bin Hattab ihn aus dem Amt des Befehlhabers entließ[Nachdem auch Ubejde bin Dscherrach, der an die Stelle von Hâlid bin Welîd ernannt worden, weitere Siege errungen hatte, stelle es sich heraus, dass der Sieg nicht allein von Hâlid abhänging war, sondern von der Hilfe ALLAHs, des Erhabenen.].

Halid, der Tischler, bei dem ich arbeitete, hatte keinen guten Charakter und war ziemlich nervös. Trotzdem verließ er sich ganz auf mich. Der Grund dafür war vielleicht, dass ich all seine Worte beachtete. Wenn er allein war, vernachlässigte er die islamischen Vorschriften. Wenn er aber bei seinen Freunden war, folgte er den islamischen Geboten. Er verrichtete nur das Freitagsgebet. Ob er das fünfmalige Gebet jeden Tag verrichtete, war mir unbekannt.

Ich früchstückte immer in der Werkstatt. Nach der Arbeit ging ich zum Mittagsgebet zur Moschee, blieb dort bis zur Verrichtung des Nachtmittagsgebets. Danach ging ich nach dem Haus von Ahmed Effendi. Dort verbrachte ich zwei Stunden, wobei ich bei ihm den Koran, arabisch und türkisch lernte. Meinen Wochenlohn gab ich ihm jeden Freitag, weil er mir das Lesen des Korans sehr gut beibrachte. Wirklich lehrte er mich den Koran, die Vorschiften des Islams und die Einzelheiten der arabischen und türkischen Sprachen sehr gut.

Als Ahmed Effendi bekannt wurde, dass ich ledig war, schlug er mir vor, seine Tochter zu heiraten. Aber ich lehnte seinen Vorschlag ab. Trotzdem beharrte er ständig darauf und sagte, Trauung sei eine erforderliche Tradition des Propheten Muhammed und überlieferte seinen Spruch: “Wer sich von den erforderlichen Verpflichtungen abwendet, gehört nicht zu meiner Gemeinschaft an.”

Ich bemerkte, dass diese Sache meine Beziehungen mit ihm abbrechen könnte, und sagte ihm angeblich: “Sexuelle Vitalität fehlt mir leider!” Dieses Wort verschaffte mir die Fortsetzung unserer Freundschaft.

Nachdem meine zwei Jahre in Istanbul abgelaufen waren, sagte ich Ahmed Effendi, dass ich in meine Heimat zurückkehren möchte. Er reagierte auf mich: “Gehe doch nicht! Warum? Du hast alles, was du willst, in Istanbul. ALLAH, der Erhabene, gab dieser Stadt sowohl materielles als auch geistiges Vermögen. Du hattest ja gesagt, dass deine Eltern gestorben sind und du keine Geschwister hast. Demnach ist es besser für dich, dich in Istanbul niederzulassen.”

Er hatte sich sehr an mich gewöhnt. Deswegen beharrte er darauf, dass ich nicht fortgehen, sondern mich in Istanbul niederlassen sollte. Jedoch zwang mich meine patriotische Aufgabe zur Rückkehr nach London, wo ich dem Kolonialministerium einen eingehenden Bericht dargelegen und neue Anordnungen bekommen mußte.

Solange ich in Istanbul war, schickte ich jeden Monat einen Bericht, der sich auf die von mir beobachteten Vorgänge bezog, dem Kolonialministerium nach England. In einem Bericht fragte ich einmal, was ich einem eventuellen homosexuellen Vorschlag gegenüber tun sollte. Die Antwort lautete: “Du darfst dich da ergeben, wo es dir erleichtert, zum Ziel zu kommen.” Als ich diese Antwort bekam, ärgerte ich mich sehr. Beinahe hätte ich das Bewusstsein verloren. Zwar wusste ich schon, dass diese ekelhafte Tat in England verbreitet war. Aber ich erwartete nicht, dass unsere Behörden einen solchen Befehl geben würden. Ich hatte leider keinen anderen Ausweg, als das Glas bis zum letzten Tropfen auszutrinken. Deswegen schwieg ich und leistete meinen Dienst weiter.

Während ich mich von Ahmed Effendi verabschiedete, kamen ihm Tränen in die Augen und er sagte zu mir: “Mein Sohn, ALLAH, der Erhabene, möge dir helfen. Wenn du wieder nach Istanbul kommst und meinen Tod erfährst, errinnere dich an mich und rezitiere einmal “Fatiha” zu meinem Seelenheil. Wir werden am Tage der Auferstehung mit dem Propheten ALLAHs, des Erhabenen, zusammenkommen.” Da wurde ich auch sehr traurig und weinte mit. Doch meine Verpflichtung war über alles.

 

Kapitel-I
3. Teil

Meine Freunde, die beauftragt waren wie ich, waren früher nach London zurückgekommen und hatten neue Aufträge bekommen. Nach meiner Rückkehr bekam ich auch neue Aufträge. Aber wir waren leider nur sechs, die in die Heimat zurückgekehrt waren.

Nach Angaben des Ministerialsekretärs wurde einer von den vier Nichtzurückgekehrten Muslim und ließ sich in Ägypten nieder. Trotzdem war der Sekretär zufrieden, denn dieser Kollege von uns hatte die Geheimnisse für sich behalten. Der zweite, der nach Russland geschickt war, blieb dort. Er war sowieso ein gebürtiger Russe. Der Sekretär war sehr traurig über ihn. Nicht, dass er in seine Heimat zurückgekehrt war, sondern dass er vielleicht bei Kolonialministerium im Auftrag von Russland Spionage getrieben hätte. Der dritte –so wieder nach den Angaben des Sekretärs– starb im Gebiet Imara bei Bagdad an der Pest. Der vierte konnte vom Ministerium bis nach Sana in Jemen verfolgt werden.

Und bis zum letzten Jahr gingen seine Berichte und seine Ermittlungen, seine geheimen Informationen beim Ministerium ein. Leider konnte man keine weiteren Informationen mehr von ihm erhalten. Trotz aller Anstrengungen fand man keine Spur von ihm. Unser Ministerium hielt es für ein Unglück, dass diese vier Beauftragten verschwunden waren. Denn wir Briten haben wenige Bürger, dafür aber große bedeutende Missionen. Deshalb legen wir auf jeden einzelnen unserer Bürger großen Wert.

Der Sekretär ließ uns alle, nach der Prüfung von einigen Berichten von mir, zusammenkommen, damit alle Berichte von uns vieren geprüft werden. Nachdem meine Kollegen ihre Berichte abgegeben hatten, legte ich auch meinen vor. Sie notierten sich einige Punkte aus meinem Bericht. Der Minister, der Sekretär und einige Teilnehmer lobten mich wegen meiner Leistungen. Dennoch war ich der Drittbeste. Mein Freund Georg Belcoud war der Erste und nach ihm kam Henry Fanse.

Ich hatte die Sprachen türkisch und arabisch und die Kunst der Koranrezitation sehr gut gelernt und die religiösen Kenntnisse aufs äußerste erworben. Aber es war mir nicht gelungen, einen Bericht über die schwachen Punkte des Osmanischen Reiches vorzubereiten. Nach der Sitzung, die zwei Stunden dauerte, fragte der Sekretär, warum ich keinen Erfolg hatte. Ich antwortete: “Meine eigentliche Pflicht war, türkisch, arabisch, den Koran und islamische Vorschriften zu lernen. Für andere Angelegenheiten konnte ich mir keine Zeit nehmen. Aber das nächste Mal werde ich Sie zufriedenstellen.” Der Sekretär sagte darauf: “Du kannst bestimmt Erfolg haben. Aber ich hätte gern, du wärest an der Spitze” und fügte folgendes hinzu:

“Du, Hempher, dein nächster Auftrag besteht aus zwei Punkten:

1. Die Schwächen der Muslime und die Stellen, in die wir leicht eindringen und ihre Gelenke voneinanander trennen können, zu entdecken.

Wahrlich ist das der Weg zu dem Ziel, den Feind besiegen zu können.

2. Wenn du diese Feststellung getroffen und auf meine Worte gehört hast (d.h. wenn du unter den Muslimen Feindschaft und Abneigung stiften kannst), so kannst du der beste Spion sein und das Ehrenmedaillon unseres Ministeriums verliehen bekommen.

Ich blieb sechs Monate in London und heiratete die Tochter meines Onkels Maria Shvay. Damals war ich 22 und sie 23. Sie hatte mittelmäßige Intelligenz und Kultur und war sehr schön. Den glücklichsten Teil meines Lebens verbrachte ich mit ihr in diesen Tagen. Sie war schwanger. Gerade da, wo wir auf unseren neuen Gast warteten, bekam ich den Order, nach Irak zu gehen.

Ich wurde sehr traurig darüber, dass ich bei dieser Situation gehen sollte. Die Heimatsliebe und der Ehrgeiz, unter meinen Kollegen und berühmt zu werden, gingen über meine ehemännischen und väterlichen Gefühle. Ohne Zögern nahm ich den Befehl an. Meine Frau beharrte sehr darauf, dass ich bis zur Geburt des Kindes bei ihr bleiben sollte. Ich durfte aber nicht auf ihre Worte hören. Am Abschiedstag weinten wir beide bitterlich. Meine Frau sprach: “Schreib mir bitte ununterbrochen! Auch ich werde dir über unser neues goldenswertes Nest schreiben.” Ihre Worte ließen in mir einen Sturm ausbrechen.

Beinahe hätte ich die Reise aufgeschoben. Aber es gelang mir, meine Gefühle zu unterdrücken. Ich verabschiedete mich von ihr und ging zum Ministerium, um die letzten Anordnungen zu bekommen.

Nach sechs Monaten war ich endlich in Basra, der irakischen Hafenstadt. Die Bevölkerung dieser Stadt teilte sich in zwei Gruppen, die Sunniten und die Schi’iten, ein. In der Stadt der Volksstämme Basra lebten Araber, Perser und zum Teil Christen zusammen. Ich lernte zum ersten Mal dort die schi’itischen Perser kennen. Aus diesem Anlaß möchte ich vom Schi’ismus und Sunnitentum reden.

Die Schi’iten behaupten, sie seien Anhänger von Ali bin Ebû Tâlib, dem Ehemann von Fâtîma, der Tochter des Propheten Muhammed, und dem Vetter von ihm. Außerdem behaupten sie auch, Muhammed habe Ali und später die zwölf Imâms (Religionsführer), seine Nachkommen, als Kalifen bestimmt.

Nach meiner Überzeugung haben die Schi’iten in der Sache des Kalifatentums von Ali und seinen Söhnen Hassen und Hüssejn recht. Denn soweit ich von der islamischer Geschichte weiß, war Ali eine hervorragende Persönlichkeit mit hohen Charakterzügen. Ich sehe es als wahrscheinlich an, dass der Prophet Muhammed auch Hassen und Hüssejn zum Kalifen ernannt hatte. Aber woran ich zweifle ist, dass er den Sohn von Hüssejn und seine weiteren acht Enkel zum Stellvertreter ernannte. Denn Hüssejn war noch ein Kind, als der Prophet Muhammed starb. Wie hatte er vorher gewusst, dass Hüssejn acht Enkel bekommen würde. Dies ist erst durch die Offenbarung ALLAHs möglich, wie es auch bei Messias war, wenn Muhammed wirklich ein Prophet ist. Wir Christen sind im Zweifel über das Prophetentum des Propheten Muhammed.

Die Muslime sagen: “Die Beweise des Prophetentums von Muhammed, sind zahlreich. Der eine ist der Koran.” Ich las den Koran. Er ist tatsächlich ein hervorragendes, erhabenes Buch. Sogar ist er erhabener als die Thora und die Bibel. Denn drin stehen die Dekreten, Fundamente, Anordnungen, moralische Lehre u.s.w. Es wundert mich, wie der Prophet Muhammed, der weder lesen noch schreiben konnte, ein solches erhabenes, und heiliges Buch zustande brachte.

Wie gelang es ihm, jene Moral, jene Intelligenz und jeneCharakter zu besitzen, während ein viel verreisender Mann mit hoher Bildung diese Eigenschaften nicht haben konnte? Sollten diese wohl dieBeweise für sein Prophetentum sein?

Ich war ständig auf der Nachprüfung, damit ich zu der eigentlichen Tatsache über den Propheten Muhammed kommen konnte. Einmal wandte ich mich diesbezüglich an einen Priester in London. Er antwortete mir fanatisch und eigensinnig, aber niemals überzeugend. In der Türkei hatte ich auch Ahmed Effendi zu diesem Thema einige Male gefragt. Ich konnte auch von ihm keine befriedigende Antwort bekommen. Es ist ein Faktum, dass ich keine deutliche Frage stellen konnte, da ich ja befürchtete, es käme ans Tageslicht, dass ich ein Spion war, oder sie würden mich verdächtigen.

Ich schätze den Propheten Muhammed sehr. Er ist gewiß einer von den Propheten ALLAHs, wie wir dies aus den Büchern erfahren haben. Trotzdem habe ich mich als ein Christ zu seinem Prophetentum noch nicht bekannt. Er ist sicher erhabener als alle anderen Genien.

Außerdem glauben die Sunniten wie folgt: “Die damaligen Moslems würdigten nach dem Tod des Propheten, Friede sei mit ihm, Ebû Bekir, Omar, Osman und Ali als Kalifen”.

Es ist doch bekannt, dass solche Streitigkeiten bei allen Religionen, besonders beim Christentum zu treffen sind. Omar und Ali sind schon gestorben. Es hat also keinen Sinn, darüber weiter zu diskutieren. Nach meiner Meinung denken die vernünftigen Moslems nicht mehr über die Vergangenheit, sondern über die Gegenwart.[Über den Kalifat Gedanken zu äußern ist eine Hauptange-legenheiten des Schiismus, während es nach den Sunniten nicht nötig ist. Dieser junge Brite verwechselt doch die religiösen Kenntnisse mit den irdischen. Genauso, wie er hier meint, machten die Muslime in Bereichen Mathematik, Architektur, und Medizin große Fortschritte. Als Galilei der berühmte italienischer Astronom, die Umdrehung der Erde, deren Kenntnisse er eigentlich den Muslimen verdankte, wissenschaftlich vorlegte, exkommunizierten ihn die Päpste und warfen ihn sogar ins Gefängnis. Erst nachdem er seiner Erklärung abgeschworen hatte, indem er sagte, “die Erde dreht sich nicht”, konnte er sich von den Händen der Päpste befreien. Die Muslime wenden sich bezüglich der Glaubenslehre und aller anderen religiösen Kenntnisse nicht an die Vernunft, sondern an den heiligen Koran und Hadithe und folgen ihnen. Sie verändern diese über die Vernunft gehenden Kenntnisse nicht, wie es die Christen tun.]

Beim Kolonialministerium sprach ich von der Nichtübereinstimmung zwischen Sunniten und Schi’iten und sagte folgendes: “Wenn die Muslime auf das Menschenleben Wert legen würden, dann würden sie das sunnitisch-schi’itische Auseinandergehen abschaffen und sich einigen.” Einer unterbrach mich: “Deine Aufgabe ist, diese Meinungsverschiedenheit anzufächen und nicht einmal darüber nachzudenken, wie die Muslime sich einigen sollten.

Bevor ich eine Reise nach Irak machte, gab mir der Sekretär folgenden Rat:

“Hempher, du solltest wissen, dass es unter den Menschen seit Erschaffung von Kain und Abel Widersprüche gibt. Diese Streitigkeiten werden bis zur Rückkehr von Messias fortwähren. So steht es mit allen Streitigkeiten in bezug auf Land, Rasse und Religion.

Deine nächste Aufgabe ist, dich nach den Streitigkeiten zwischen den Muslimen gut zu erkundigen und das Ministerium zu benachrichtigen. Wenn es dir gelingt, die Zwietracht zwischen den Muslimen zu verstärken, so wirst du den besten Dienst für England geleistet haben!

Wir Briten müssen, in allen Ländern und unseren Kolonialländern Unruhe und Zwietracht stiften, um im Wohlstand und Frieden zu leben. Das Osmanische Reich ist erst durch solche Zwietracht und Streiten zugrundezurichten. Wie könnte sonst eine Nation mit weniger Bevölkerung über eine andere mit einer sehr großer Anzahl an Bevölkerung herrschen!

Du solltest allerlei Lücken mit all deinen Kräften herausfinden! Du solltest auch wissen, das Osmanische Reich und der Iranische Staat erleben gerade ihren Tiefpunkt. Darum soll es deine Mission sein, das Volk gegen die Regierenden zum Widerstand zu führen. “Die Geschichte zeigt uns, dass alle Revolutionen durch Volksrebellionen ausgebrochen sind.” Erst wenn die Einheit und Verbundenheit der Muslime zerstört wird und ihre Kräfte auseinandergehen, dann erhalten wir die Gelegenheit, sie zu vernichten!”

 

Kapitel-I
4. Teil

Als ich in Basra eintraf, ließ ich mich in einer Moschee nieder. Der Vorbeter war ein Araber mit sunnitischem Glauben. Ich machte mich mit ihm bekannt und begann mit ihm eine Unterhaltungen zu führen. Weil er mich in Verdacht hatte, richtete er an mich Kettenfragen, sobald das Gespräch begann. Ich konnte mich von dieser gefährlichen Situation mit Hilfe folgender Worte retten: “Ich komme aus Igdýr in der Türkei. Ich bin gleichzeitig Schüler von Ahmed Effendi in Istanbul. Ich war dort als Tischler tätig. So erzählte ich auch von meinen Eindrücken über Istanbul. Dafür sprach ich einige türkische Worte. Dazwischen winkte er einem von dort Anwesenden und fragte, ob mein Türkisch gut war. Dieser bejahte. Es freute mich sehr, dass ich ihn überzeugen konnte. Aber ich war drei Tage später enttäuscht. Ich merkte, dass der Vorbeter mich verdächtigte und mich als einen türkischen Spion betrachtete. Später erfuhr ich auch, dass es Streitigkeit und Feindschaft zwischen ihm und dem Gouverneur des Osmanischen Sultans gab.

Als ich mich deshalb von der Moschee von Scheich Omar Effendi entfernen musste, zog ich in ein Mietezimmer in einem Han (einer orientalischen Herberge), wo die Gäste und Reisende übernachteten. Der Hanbesitzer Murschid Effendi war dumm. Jeden Morgen störte er mich, indem er an meine Zimmertür stark klopfte, um mich zum Morgengebet aufzuwecken, immer wenn der Gebetsruf rezitiert wurde. Ich musste ihm gehorchen. Ich stand auch auf und verrichtete das Morgengebet. Dann sagte er zu mir: “Gleich nach dem Morgengebet wirst du den Koran rezitieren”. Ich sagte ihm: “Koranlesung ist keine unentbehrliche Vorschrift. Warum beharrst du denn so darauf?” Da erwiderte er: “Zu dieser Zeit weiter zu schlafen, würde ein Unglück für unseren Han und Armut für die Bewohner verursachen.” Ich musste auch diesen Wunsch von ihm erfüllen. Denn er sagte, dass er mich sonst aus dem Han verjagen wird. Deshalb verrichtete ich gleich nach dem Gebetsruf das Morgengebet und rezitierte den Koran über eine Stunde.

Eines Tages kam Mürschid Effendi zu mir und sagte: “Seit du in dieses Zimmer gezogen bist, trifft mich oft Unglück. Ich bin überzeugt, dass du Unglück bringst. Denn du bist ledig. Dies ist ja ein böses Omen. Du wirst entweder heiraten, oder du sollst den Han verlassen.” Daraufhin erwiderte ich: “Ich habe nicht so viel Geld zum heiraten.” Ich sagte ihm doch nicht, was ich Ahmed Effendi gesagt hatte. Denn Murschid Effendi war ein solcher Mann, der mir meine Hose und Unterhose ausziehen konnte, um zu sehen, ob ich potent war.

Auf meine Worte sagte Murschid Effendi: ‘Du, Mensch mit schwachem Glauben. Hast du noch nicht den heiligen Vers der Sure Nur gelesen, der singemäß lautet? “So sie arm sind, wird ALLAH sie reich machen aus Seinem Überfluß, denn ALLAH ist allumfassend und allwissend.”[Die Sure Nur (Das Glaubenslicht), heiliger Vers 32] Ich wunderte mich darüber. Aber ich sagte schließlich: “Ja, ich werde heiraten. Bist du aber bereit, das Geld dafür zu beschaffen? Oder ist es dir möglich, eine Jungfrau ohne Kosten zu finden?

Er überlegte daraufhin einwenig und sagte: “Ich will kein Wort mehr hören. Bis zum Anfang des Monats Redscheb sollst du entweder heiraten, oder du wirst diesen Han verlassen.” Es waren noch fünfundzwanzig Tage bis zum Monat Redscheb.[einer der drei heiligen Monate des islamischen Kalenderjahrs.]

Aus diesem Anlaß möchte ich hier die islamischen Monate erwähnen: Mucharrem, Safer, Rebi’ul-ewwel, Rebý’ulachir, Dschemâsi-ul ewwel, Dschemâsi-ul âchir, Redscheb, Scha’ban, Ramadan, Schewwal, Silkade und Silhidschdsche. Die Monate des islamischen Kalenderjahrs haben nicht mehr als dreißig Tage und nicht weniger als neunundzwanzig. Der Mond wird gesichtet, d.h. mit jedem Neumond beginnt der neue Monat.

Nachdem ich eine Stelle bei einem Tischler gefunden hatte, verließ ich den Han von Mürschid Effendi. Unter der Bedingung, dass sich der Arbeitgeber meine Nahrung und Unterkunft übernahm, vereinbarten wir einen etwas wenigen Lohn. Vor dem Beginn des Monats Redscheb brachte ich meine Sachen in die Tischlerei. Der Tischler, mein Meister, war ein aufrichtiger Mann. Er verhielt sich mir gegenüber sowie zu seinem Sohn. Er war ein Iraner namens Abdurresâ, ein Schi’it aus Horasan. Ich nutzte die Gelegenheit aus, bei ihm zu bleiben und begann dort Persich zu lernen. Jeden Tag kamen die Schi’iten aus Iran bei ihm zusammen und unterhielten sich über allerlei Themen von der Politik bis zur Wirtschaft. Währenddessen redeten sie sowohl ihrer eigenen Regierung, als auch dem Kalifen in Istanbul Übles nach. Wenn ein Fremder in ihre Nähe kam, begannen sie sofort über ihre privaten Angelegenheiten zu sprechen.

Sie vertrauten mir fest. Ich erfuhr später, dass sie glaubten, ich wäre aus Aserbaidschan, da ich Türkisch konnte.

Ein Junge ging bei unserer Tischlerei ab und zu vorbei. Er hatte das Aussehen eines Studenten und konnte arabisch, persisch und türkisch. Er hieß Muhammed bin Abd-ul Wahhab aus Nedschd. Dieser Junge sprach hochmütig und war sehr nervös. Obwohl er die osmanische Verwaltung streng beschimpfte, sagte er gar nichts Böses über die iranische Regierung. Er war mit dem Geschäftsbesitzer befreundet. Denn die beiden waren gegen den Kalifen in Istanbul. Was aber interressant war war, dass dieser sunnitische Junge persisch konnte und mit Abdurresa befreundet war. In dieser Stadt verkehrten sich die Sunniten und Schi’iten freundschaftlich zusammen, Sie hielten einander für Brüder. Die meisten Bewohner konnten sowohl arabisch als auch persisch. Es gab viele, die türkisch konnten.

Muhammed aus Nedschd war anscheinend Sunnit. Obwohl die Mehrheit der Sunniten gegen die Schi’iten war und sogar ein Teil von ihnen sie der Ungläubigkeit bezichtigte, kränkte Muhammed aus Nedschd keinen Schi’iten.

Er sah keinen Grund dafür, sich zu einer von den vier Rechtsschulen zu bekennen und sagte: “Im Buch ALLAHs steht kein Hinweis auf diese Rechtsschulen”. Er übersah die heiligen Versen darüber und nahm die Hadithe nicht ernst.

Was die Sache der vier Rechtsschulen anbelangt: Ein Jahrhundert nach dem Tod des Propheten Muhammed traten die vier Rechtsschulengründer auf: Ebu Hanîfe, Ahmed bin Hanbel, Mâlik bin Enes, Muhammed bin Idris esch-Schafiî. Manche Kalifen zwangen die Sunniten dazu, einem von diesen vier Gelehrten zu folgen, und sagten, dass niemand außer ihnen im Koran oder in den Hadithen Urteil fällen können. Diese Haltung führte dazu, dass den Moslems die Türen zur Wissenschaft und zum Verständnis geschlossen wurden. Dieses Verbot des Urteil-Fällens wird als Grund des Rückgangs des Islams gezeigt.

Die Schi’iten nutzten diesen falschen Behauptungen zur Verbreitung ihrer eigenen Sekte aus. Sie waren früher nicht einmal das Zehntel der Sunniten. Heutzutage vermehrten sie sich, und ihre Anzahl wurde genau soviel wie die der Sunniten. Das war unvermeidlich, denn das islamische Urteil ist gleichgestellt mit einer Waffe. Es fördert die islamische Rechtwissenschaft, erneuert die Begabung und das Verständnisvermögen für den Koran und die Sunna. Das Verbot des islamischen Urteils gleicht einer gerosteten Waffe. Er zwingt eine Rechtsschule zu einer bestimmten Gestaltung.

Das heißt aber, das menschliche Verständnis an der Entwicklung zu hindern, und die zeitgenössischen Umstände und Bedürfnisse zu vernächlässigen. Wenn jemands Waffe kaputt, dagegen die des Feindes ausgezeichnet ist, so ist dieser sicher zur Niederlage gegenüber dem Feind verurteilt. Ich kam zu einer Überzeugung, dass die Intelligenten der sunnitischen Gemeinschaft das Tor des islamischen Urteils wieder öffnen werden. Im Falle, dass dieses Mittel nicht angewendet wird, werden die Sunniten in einigen Jahrhunderten zur Minderheit und die Schi’iten zur Mehrheit.[Die Schriftgelehrten, welche die Urteile der verborgenen heiligen Verse und Hadithe verstehen können, werden absolute Religionsgelehrte, Müdschtechid, genannt. Die Bedingungen, absoluter Religionsgelehrter zu sein, sind in unseren türkischen Büchern Seadet-i Ebedijje (eng. Übersetzung Endless Bliss) und Faideli Bilgiler (Islam, der Weg der Sunniten) ausführlich erklärt [Siehe: u.a. die Liste der Gelehrtheitsstufen]. Vier Jahrhunderte nach der Hedschra wurde kein absoluter Religionsgelehrter mehr herangebildet, der die hierfür benötigte Fähigkeiten besitzt. Die Ketzer, die Glaubensfeinde sind, versuchten den Islam innerlich zu vernichten, indem sie behaupteten, Urteile zu fällen. Jedoch fällten absolute Religionsgelehrte Urteile über alle Angelegenheiten, die bis zum Weltuntergang zustande kommen werden, nach den heiligen Versen und Hadithen und all diese sind in den Büchern der Sunna niedergeschrieben.]

[In der Tat haben die vier Rechtsschulen der Sunna den gleichen Glauben und die gleiche Überzeugung. So besteht kein Unterschied zwischen ihnen. Die Unterschiede betreffen nur die Anbetungen und Handlungen, und schaffen Leichtigkeit. Dagegen teilen sich die Schi’iten im Glauben in zwölf Sekten ein und sind folglich eine unwirksame Waffe. Diese Tatsache steht im Buch Milel und Nihal.]

Muhammed aus Nedschd, der hochmütige Mann, folgte immer seiner Eigensucht bei der Deutung des Korans und der Sunna. Er unterschätzte nicht nur die Ansichten der islamischen Gelehrten seiner Zeit und der vier Rechtsschulengründer, sondern auch der Großen von den Gefährten des Propheten wie Ebû Bekir und Omar. Wenn er davon überzeugt war, eine von ihren Haltungen widerspreche dem Koran, so sagte er: “Der Prophet sagte: “Ich hinterließ euch den Koran und die Sunna.” Er sagte nicht, dass er den heiligen Koran, die Sunna, seine Gefährten und die Schriftgelehrten hinterlassen hatte.[Muhammed aus Nedschd verleugnet durch dieses Wort die Hadithe, in welchen der heilige Prophet befiehlt, seinen Gefährten zu folgen.] Was jedem unentbehrliche Vorschrift ist, ist dem Koran und der Sunna zu folgen, selbst wenn diese beiden den Urteilen der vier Rechtsschulen und den Mitteilungen der Gefährten des Propheten und der Schriftgelehrten widersprechen würden.”[Heute greifen in allen islamischen Ländern unwissende und verräterische Personen hinter der Maske der Geistlichen die sunnitischen Gelehrten an. Sie loben überall den Wahhabismus gegen viel Geld, welches sie von Saudi Arabien erhalten. Alle berufen sich überall auf das obenerwähnte Wort von Muhammed aus Nedschd als Mittel. Jedoch steht keine Worte der sunnitischen Gelehrten, besonders der vier bekannten Religionsgelehrten (Imâm-ý âsam Ebû Hanife, Imâm-ý Mâlik, Imâm-ý Schafi’î, Imâm-ý Ahmed bin Hanbel) dem Koran oder den Hadithen zuwider.ÊSie haben dem Koran und der Sunna nichts hinzugefügt, sondern diese nur interpretiert. Aber die Wahhabiten täuschen die Muslime durch Lügen, wie es die britischen Agenten ausüben.]

Beim Essen im Hause von Abdurresa fand eine Diskussion zwischen Muhammed aus Nedschd und einem Besucher Scheich Dschewad aus Koom statt.

Scheich Dschewad: “Warum folgst du nicht Ali wie die Schi’iten, obwohl du glaubst, er sei ein absoluter Religions-gelehrter?”

Muhammed aus Nedschd: “Weil Ali gleich ist wie Omar und die anderen Gefährten des Propheten. Seine Worte könnten nicht als Beweis gelten. [Jedoch gelten die Worte von allen Gefährten des Propheten als Beweise. Unser Prophet befahl uns, uns nach irgendeinem von ihnen zu richten.][Der Muslim, der in seinem Leben das heilige Gesicht des Propheten Muhammed, Friede und Segen ALLAHs, des Erhabenen sei mit ihm, sah, wird Sahâbî genannt. Die Mehrzahl davon ist Sahâbe oder Eshâb, die Gefährten des heiligen Propheten.]

Scheich Dschewad: “Unser Prophet sagte aus: “Ich bin die Stadt der Wissenschaft, Ali ist ihr Tor.” Sollte es denn demnach nicht erforderlich sein, dass es einen Unterschied zwischen Ali und den anderen Gefährten des Propheten gibt?”

Muhammed aus Nedschd: “Hätte der Prophet nicht ausgesagt, er habe den Moslems den Koran, die Sunna und Ali hinterlassen, wenn Ali’s Wort ein Beweis gewesen wäre?

Scheich Dschewad: ‘Mit diesem Wort ist auch Ali gemeint. Denn der Prophet drückte einmal aus: “Ich lasse euch das heilige Buch ALLAHs, des Erhabenen und meine Angehörigen.” Ali ist der größte Angehörige des Propheten.’

Muhammed aus Nedschd lehnte dieses Wort des Propheten ab.

Dagegen brachte ihn Scheich Dschewad durch überzeugende Beweise zum Schweigen. Aber Muhammed aus Nedschd erhob Einspruch gegen seine Worte: ‘Sie behaupten, dass der Prophet ausgesagt hätte: “Ich hinterlasse euch ALLAHs Buch und meine Angehörigen.” Gut, aber wo steht dann die Sunna des Propheten Muhammed?’

Scheich Djewad: ‘Die Sunna des heiligen Propheten ist die Erläuterung des Korans. Wenn der heilige Prophet sagte: “Ich hinterlasse ALLAHs Buch und meine Angehörigen”, so wies er mit dem Wort “ALLAHs Buch” gleichzeitig auch auf die Sunna, nämlich Koranauslegung hin.’

Muhammed aus Nedschd: “Wozu war es notwendig, den Koran durch die Hadithe zu interpretieren, wenn die Worte von Angehörigen des Propheten als Auslegung des Korans gelten würden?”

Scheich Dschewad: “Nach dem Tod des heiligen Propheten brauchte seine Religionsgemeinschaft eine Auslegung des Korans, die die Bedürfnisse ihrer Zeit decken sollte. Deshalb gebot also der heilige Prophet seiner Gemeinschaft, dem Koran der Hauptquelle und seinen Familienmitgliedern zu folgen, die den Koran richtig auslegten, damit sie den zeitgenössischen Bedürfnisse entgegenkommen konnte”.

Ich war mit diesem Streit sehr zufrieden. Muhammed aus Nedschd geriet in eine seltsame Lage, nämlich in die Lage eines Sperlings in der Hand eines Jägers, gegenüber dem alten Scheich Dschewad.

Die Person, die ich suchte, erschien mir in Muhammed aus Nedschd. Denn er hatte schwache Eigenschaften wie Mißachtung der zeitgenössischen Gelehrten, Unterschätzung der vier Kalifen, eine unabhängige Auslegungstendenz des Korans und der Sunna, die mir dazu helfen könnten, ihn hereinzulegen. Auf der einen Seite dieser hochmutige Junge, auf der anderen Seite Ahmed Effendi, bei dem ich in der Türkei gelernt hatte; welch tiefster Unterschied! Ahmed Effendi, dieser Gelehrte, ähnelt einem Berg gleich seinen Vorgängern. Keiner Macht war es möglich, ihn zu erschüttern. Immer wenn er den Namen “Ebu Hanife” erwähnen wollte, stand er auf und nahm die rituelle Waschung vor. Das geschah auch, wenn er das Hadith-Buch “Buchari” in die Hand nehmen wollte. Die Sunniten schenken diesem Buch großes Vertrauen.

Muhammed aus Nedschd unterschätzte Ebu Hanife sehr und sagte: “Ich weiß mehr als Ebu Hanife”.[Heute behaupten manche unwissenden Verirrten genauso, welche die vier rechten Rechtsschulen ablehnen.] Außerdem behauptete er, dass die Hälfte des berühmten Hadith-Buch Buchârî falsch sei.[Dieser Zustand von ihm macht offenbar, dass er von der Hadithwissenschaft nichts weiß.]

[Während der Übersetzung des Buches “Geständnisse von Hempher” fiel mir folgendes ein: Ich war damals in einem Gymnasium als Lehrer tätig. Beim Unterricht stellte mir einer der Schüler eine Frage:

“Herr Lehrer, würde ein Muslim dann ein Märtyrer sein, wenn er beim Krieg den Tod gefunden hätte? Ich antwortete: “Ja genau.”

Er fragte weiter: “Hat der Prophet das verkündet?”

Ich bejahte.

Er fragte wieder: “Wäre er dann auch ein Märtyrer, wenn er im Wasser ertrunken wäre?”

Ich sagte wieder ja und fügte hinzu: “Dieser bekommt sogar mehr Lohn im Jenseits.”

Seine nächste Frage war diesmal: “Ist es gleich, wenn er vom Flugzeug gefallen ist?”

-Ja.

-Hat unser Prophet auch all das mitgeteilt?

-Ja, er tat es.

Er fragte mit einem Ton und Verhalten eines Helden und lächelnd: “Herr Lehrer, gab es zu der Zeit des Propheten Flugzeuge?”

Ich antwortete: “Mein Junge. Unser Prophet hat 99 Namen. Jeder von diesen Namen drückt einen seiner ausgezeichneten Charakterzüge aus. Einer von diesen Namen ist “Dschâmi’ul-kelîm”, dies bedeutet, dass er mit wenigen Worten sehr viel ausdrücken konnte. So sagte unser Prophet: “Wer von einer hohen Stelle herunterstürzt und stirbt, findet den Märtyrertod.”

Der Schüler wunderte sich über diese Antwort sehr und war dafür sehr dankbar. Genauso gibt es im heiligen Koran und in den heiligen Hadithen viele Wörter und Bestimmungen, d.h. Gebote und Verbote, die einzeln verschiedene Bedeutungen und Andeutungen aufweisen. Die Bemühung, diese An- und Bedeutungen herauszufinden und die erforderlichen von denen auszuwählen, heißt Urteil fällen. Erst ein echter Religionsgelehrter, kann Urteil fällen. Deshalb verboten die sunnitischen Gelehrten den Laien, Urteil zu fällen. Das heißt aber nicht, dass es ihnen auch verboten war, Urteile zu fällen. Da ab dem viertem Jahrhundert kein absoluter Religionsgelehrter mehr ausgebildet wurde, konnten nicht mehr Urteile gefällt werden und so hieß es, dass sich das Tor zum Urteilfällen von selbst schloss. Gegen Weltuntergang wird der heilige Prophet Jesus auf der Erde wieder erscheinen, er und der heilige Messias werden Urteile fällen.

Unser heiliger Prophet, Friede sei mit ihm, teilte mit: “Nach mir werden sich die Muslime in dreiundsiebzig verschiedene Gruppen zerteilen. Nur eine davon wird ins Paradies kommen.” Als er gefragt wurde, wer dieser geretteten Gruppe gehört, sprach er: “Diejenigen, die mir und meinen Gefährten folgen.” Auch einmal sagte er aus: “Meine Gefährten sind den Sternen am Himmel ähnlich. Wer einem von diesen folgt, wird recht geleitet.” Das heißt, dieser wird somit auf den Weg zum Paradies geleitet. Ein Jude aus Jemen namens Abdullah bin Sebe stiftete damals unter den Muslimen die Feindschaft gegen die Gefährten des heiligen Propheten, um die islamische Religion innerlich zu zerstören.

Die Unwissenden, die gegen die Gefährten des heiligen Propheten feindselig sind, indem sie von diesem Juden irregeführt wurden, werden Schi’iten genannt. Dagegen werden diejenigen, die den heiligen Hadithen folgen, die Gefährten des heiligen Propheten lieben sie hochschätzen, und sich nach ihnen richten, Sunniten (Echl-i Sünnet) genannt.]

Ich schloß mit Muhammed bin Abd-ul-wehhâb aus Nedschd eine feste Freundschaft. Ich lobte ihn bei jeder Gelegenheit. Eines Tages sagte ich ihm: “Du bist höher als Omar und Ali. Wenn der Prophet Muhammed noch leben würde, würde er nicht Omar und Ali, sondern dich zum Kalifen ernennen. Ich hoffe, das der Islam in deiner Hand erneuert wird und aufsteigt. Du bist der einzige Gelehrte, der den Islam auf der ganzen Welt verbreiten kann.”

Muhammed, der Sohn von Abd-ul-wahhâb und ich entschlossen uns dazu, den Koran vollkommen nach unserer eigenen Auffassung zu interpretieren. Diese Interpretationen sollten denen, der Gefährten des Propheten, der Rechtsschulengründer und der Koranauslegungsgelehrten widersprechen. Zuerst lasen wir den Koran vor und diskutierten dann über manche heiligen Verse. Mein Zweck dabei war, Muhammed hereinzulegen. Er zeigte sich ohnehin mit meinen Auffassungen und Ansichten zufrieden. Denn er wollte mehr Vertrauen gewinnen und sich als revolutionär erweisen.

Eines Tages sagte ich ihm: “Glaubenskampf zu führen ist nicht geboten” Er antwortete: ‘Wie wäre das denn möglich, obwohl ALLAH im Koran gebietet: “O, Du Prophet, kämpfe gegen die Ungläubigen!” ’[Die Sure Tewbe (Die Reue), 73. heiliger Vers]

Ich fragte: “Gut, aber warum führte dann der Prophet den heiligen Krieg nicht gegen Heuchler, obwohl ALLAH im Koran gebot: “O, Du Prophet, kämpfe gegen die Ungläubigen und die Heuchler!”[Die Sure Tewbe (Die Reue), 73. heiliger Vers] [Im Gegensatz zu diesen Behauptungen von Hempher steht im Buch Mewahib-i ledünnijje, dass der Prophet gegen die Ungläubigen zweiundsiebzigmal den Heiligen Krieg führte. Seine Schwerte werden im Topkapi Museum in Istanbul ausgestellt. Die Heuchler gaben sich als Muslim an. Tags verrichteten sie mit dem Propheten ALLAHs, des Erhabenen, in der Moschee des heiligen Propheten Gebet. Der heilige Prophet erkannte sie, jedoch beschuldigte Er keinen der Heuchlerei.

Wenn Er gegen sie gekämpft und sie getötet hätte, dann hieße es; der Prophet Muhammed habe seine Anhänger getötet. Darum führte er gegen sie den Glaubenskampf durch “Worte”. Denn der als unentbehrliche Vorschrift verkündete Glaubenskampf wird körperlich und geistig ausgeführt. Der koranische Vers oben befiehlt, gegen Ungläubige und Heuchler den heiligen Kampf zu führen; aber die Kampfweise wird nicht erklärt. Unser Prophet führte gegen Ungläubige den heiligen Kampf durch den Krieg, gegen Heuchler durch Predigen und Mahnungen. Diese Handlungsweise des Propheten war also die Auslegung der oben genannten Versen.]

Muhammed aus Nedschd erwiderte: “Der Prophet führte gegen sie den Glaubenskampf, durch Worte.”

Ich fragte: “Ist der Glaubenskampf, der durch Worte geführt wird, eine unentbehrliche Verpflichtung?”

Er: “Der Prophet kämpfte gegen Ungläubige.”

Ich: “Der Prophet kämpfte gegen Ungläubige, um sich zu wehren. Denn die Ungläubigen wollten ihn töten.”

Daraufhin winkte er mit seinem Kopf zur Anerkennung. Ein anderes Mal sagte ich ihm: “Die befristete Trauung ist genehmigt.”

Er: “Nein, sie ist nicht genehmigt.”

Ich: ‘ALLAH gebietet: “Und gebet denen, die ihr genoßen habt, ihre Morgengabe.” ’[[1] Die Sure Nisa (Die Weiber), 24. heiliger Vers] [Die befristete Trauung ist ähnlich wie das Mätressenleben in unserer Zeit. Die Schi’iten behaupten, dass sie genehmigt sei.]

Er: “Omar verbot zwei solche Trauungen zu der Zeit des Propheten und ließ das Volk wissen, dass diese Trauung eine strafbare Tat ist.”

Ich: “Du behauptest einerseits, du könntest besser als Omar wissen, anderseits folgst du ihm. Außerdem sagte er: ‘Der Prophet erlaubte, aber ich verbiete es.’[St. Omar, Friede sei mit ihm, sagte dies doch nicht. Da sich dieser britische Spion wie alle Christen den Kalifen Omar zum Feind machte, griff er ihn auch durch diese Worte an. Im Buch “Hudschedschi Kat’ijje” steht: St. Omar, Friede sei mit ihm, erklärte, dass der Prophet die befristete Ehe verboten hatte. Und er sagte, dass er es nicht genehmigen durfte, was der heilige Prophet verboten hatte. Alle Gefährten des Propheten unterstützten diesen Entschluss von ihm. Unter ihnen war auch St. Ali.] Warum folgst du dem Wort Omars, anstatt den Koran und das Wort des Propheten zu schätzen?”

Er sagte kein Wort. Das bedeutete, er war überzeugt.

Es war mir klar, dass er Lust auf Frauen hatte. Er war ledig. Ich schlug ihm vor: “Lass uns durch befristete Trauung je eine Frau haben! So würden wir uns vergnügen.” Er nickte stumm mit dem Kopf, nahm also meinen Vorschlag an. Das war eine herrliche Gelegenheit für mich und ich versprach ihm, ihm eine Vergnügungsfrau zu finden. Mein Zweck war, seine Angst vor den Leuten zu beseitigen. Aber er ließ mich versprechen, dass diese Sache nur unter uns bleiben und die Frau seinen Namen nicht wissen sollte. Ich lief sofort zu den christlichen Frauen in der Nähe. Es waren die Frauen, die vom Kolonialministerium geschickt und beauftragt wurden, die moslemische Jugend dort zu verführen. Einer von denen erzählte ich von der Sache. Sie nahm diesen Auftrag an und ich gab ihr den Namen “Safijje”. Ich führte Muhammed aus Nedschd zu ihr nach Haus. Safijje war allein zu Hause. Es wurde ein wöchentlicher Ehevertrag zwischen Muhammed aus Nedschd und Safijje geschlossen. Er gab der Frau ein paar Goldstück als Mitgift. So begannen wir,ich von außen, Safijje von innen Muhammed aus Nedschd hereinzulegen. Safijje nahm ihn vollkommen in die Hand.

Eigentlich empfand er schon Lust, gegen die religiösen Vorschriften zu verstoßen, indem er sich das islamischen Urteilfällen und die Meinungsfreiheit zum Vorwand machte.

Am dritten Tag der befristeten Ehe diskutierte ich mit ihm lange darüber, dass es nicht verboten sei, Alkohol zu trinken. Ich widerlegte alle von ihm als Beweismittel für das Verbot von Alkoholgenuss vorgelegten heiligen Verse und Hadithe und sagte schließlich: “Es ist eine Tatsache, dass Jesid und Kalifen von Omajjaden und Abbasiden Alkohol zu genießen pflegten. Wie kann man sagen, sie alle seien auf dem falschen Wege gestanden und du gingest auf dem richtigen? Gewiss verstanden sie den Koran besser als du. Sie schlußfolgerten aus dem Koran und der Sunna, dass der Alkoholgenuss kein strenges Verbot, sondern ein unwichtiges Verpöntes sei. In den heiligen Büchern der Juden und Christen steht der Alkoholgenuss ebenso als zulässig. Alle himmlischen Religionen sind Dekreten ALLAHs. Sogar nahm auch Omar nach einer Überlieferung Alkohol bis zur Offenbarung des heiligen Verses: “Ihr habt alle schon darauf verzichtet, nicht wahr?”[Die Sure Maide (Der Tisch), Vers 91.] Wenn es verboten gewesen wäre, hätte der Prophet ihn bestraft. Da so etwas nicht geschehen ist, ist es also genehmigt, Alkohol zu trinken.” [In der Tat trank St. Omar Alkohol vor dem Alkoholverbot. Nach dem Verbot aber trank er keinen Tropfen mehr. Dass manche unter den Kalifen der Omajjaden und Abbasiden Alkohol nahmen, weist nicht darauf hin, dass es nicht nur unerwünscht wäre, sondern dass sie selbst Sünder waren und gegen das Verbot stießen. Denn der heilige Vers, den Hempher erwähnte, und die anderen heiligen Verse und Hadithe teilen mit, dass das alkoholische Getränk verboten ist. Im Buch Rijâdun-Nasichijn steht: Am Anfang war es erlaubt, Alkohol zu genießen. St. Omar und Sa’d bin Wakkas und noch einige Gefährten des heiligen Propheten nahmen Alkohol. Später wurde der 219. heilige Vers der Sure Bakara herabgesandt und es wurde mitgeteilt, dass dem Alkohol schwere Sünde zukommt. Später wurde noch der 42. heilige Vers der Sure Nisâ (Weiber) herabgesandt: “Nähert euch nicht betrunken dem Gebet!” Als schließlich der 93. heilige Vers der Sure Maide herabgesandt wurde, wurden allerlei alkoholische Getränke verboten. Unser Prophet sagte diesbezüglich aus: “Wenn etwas in großer Menge betrunken macht, so ist es auch in weniger Menge verboten.” und “Alkohol zu nehmen ist die schwerste der Sünden.” und “Haltet mit Betrunkenen keine Freundschaft, nehmt nicht an ihrem Leichenzug teil! Verheiratet eure Söhne nicht mit ihren Töchtern und eure Töchter nicht mit ihren Söhnen!” und “Alkohol zu nehmen ist gleich wie Götzendienst.” und “ALLAH, der Allmächtige, möge Trinker, Alkoholhersteller, –händler und Ausschenker verfluchen!”]

Muhammed aus Nedschd: ‘Nach manchen Überlieferungen trank Omar mit Wasser gemischten Wein und sagte, dass die Menge Alkohol, von der man nicht betrunken wird, kein Verbot sei. Die Auffassung von Omar ist richtig. Denn im Koran lautet es: “Der Satan will nur zwischen euch Feindschaft und Haß werfen durch Wein und Spiel und euch abwenden, von dem Gedanken an ALLAH und dem Gebet. Wollt ihr deshalb nicht davon ablassen?”[Die Sure Maide, heiliger Vers 91] Eine Menge Alkohol, die nicht betrunken macht, führt nicht zu den im heiligen Vers mitgeteilten Sünden.Diese Menge Alkohol ist dann nicht verboten.’[Jedoch widerlegt die oben erwähnte Hadith diese Auffassung von ihm.]

Ich erzählte Safijje von dieser Diskussion über Alkohol und schärfte ihr ein, ihm einen starken Wein einzuschenken. Später erzählte sie mir von ihrem Erlebnis: “Ich tat, was du gesagt hattest. Ich schenkte ihm den Wein ein. Er tanzte mit mir und in derselben Nacht waren wir einige Male zusammen.” So nahmen Safiyye und ich Muhammed aus Nedschd vollkommen in die Hand. Ich erinnere mich daran, was mir der Kolonialminister sagte, als ich mich von ihm verabschiedete. Er sagte mir nämlich: “Wir nahmen von den Ungläubigen (er meint hier die Muslime) Andalusien durch Wein und Ehebruch zurück. Und wir wollen durch diese zwei Kräfte all unsere anderen Länder zurücknehmen.” Ich sehe nun ein, in wieweit er rechthatte.

Eines Tages sprach ich mit ihm über das Fasten: “Im Koran steht: “Es ist für euch besser, wenn ihr fastet.”[Die Sure Bakara (Die Kuh), 184. heiliger Vers.] Aber es steht nicht fest, dass das Fasten eine unentbehrliche Verpflichtung ist. Danach gilt das Fasten im Islam nur als erforderlich und nicht als unentbehrlich.” Er wandte gegen meine Behauptung an: “Willst du mich von meiner Religion abbringen?” Daraufhin sagte ich ihm: ‘Die Religion bedeutet die Reinheit des Herzens, das Heil der Seele und die Beachtung der Rechte der anderen. Hatte denn der Prophet nicht gesagt: “Der Glaube ist die Liebe”, und gebietet ALLAH denn im Koran nicht wie folgt:[Die Sure el-Hidschr, 99. heiliger Vers.] “Und diene deinem Schöpfer, bis die Gewissheit zu dir kommt.”[Alle islamischen Bücher erklären diesen heiligen Vers übereinstimmend: "Dieses Wort "Gewissheit" heißt hier "Tod". DieInterpretation dieses heiligen Verses lautet dann: "Unablässig diene deinem Schöpfer, bis dich der Tod erreicht."] Wenn also einem ALLAH und den Jüngsten Tag zuteil wird und wenn man ein reines Herz hat und gute Taten vollbringt, dann wird man zum tugenhaftesten der Menschen.’

Diesen Worten gegenüber schüttelte er den Kopf als Zeichen der Ablehnung.

Ein anderes Mal sagte ich zum ihm: “Das täglich fünfmalige Gebet ist keine unentbehrliche Verpflichtung. Er fragte: “Wieso soll es nicht geboten sein?” Ich erklärte: ‘ALLAH verkündete im Koran: “...Verrichte das Gebet zu meinem Gedenken.”[Die Sure Tâ-hâ. 14. heiliger Vers.] Was mit dem Gebet gemeint wird ist demnach ALLAHs gedenken.’

Daraufhin sagte er: “Ja, manche hätten nach einer Überlieferung zu Gebetszeiten nur die Namen ALLAHs rezitiert anstatt des Gebetsverrichtens.”[Der heilige Prophet sagte: "Das Gebetsverrichten ist der Grundpfeiler der Religion. Wer regelmäßig das Gebet verrichtet, hat seinen Religion fest gegründet. Wer nicht, der hat seinen Religion vernichtet." "Verrichtet das Gebet wie ich es verrichte!" Es ist eine schwere Sünde, das Gebet nicht auf diese Weise zu verrichten. Das Zeichen des reinen Herzens ist, das Gebet so zu verrichten, wie es sich gehört.]

Dieses Wort von ihm freute mich sehr. Ich gab mir große Mühe dafür, seine Haltung dem Gebet gegenüber zu festigen und herrschte über seinen Seelenzustand. Mit der Zeit merkte ich, dass er seine Gebete nicht mehr regelmäßig verrichte wie früher. Manchmal betete er und manchmal nicht. Besonders manche Morgengebete verpaßte er. Denn ich hinderte ihn daran, rechtzeitig ins Bett zu gehen, indem ich mich mit ihm bis in die Mitternacht unterhielt. Er konnte zum Morgengebet nicht aufstehen, da er ja Nachts erschöpft und ermüdet war.

Ich begann den Glauben in ihm Schritt für Schritt zu vernichten. Eines Tages versuchte ich auch, mit ihm über den Propheten zu diskutieren. Aber er erwiderte mir sehr streng: “Wenn du von nun an mit mir über dieses Thema redest, wird unsere Freundschaft zu Ende gehen und ich komme niemals mehr in Kontakt mit dir.” Da ich befürchtete, dass all meine guten Leistungen deshalb zu Grunde gehen würden, verzichtete ich darauf, mit ihm über den Propheten zu reden.

Ich schärfte ihm ein, einer anderen Glaubenslehre außer dem Sunnitentum und dem Schi’ismus zu folgen. Er schätzte auch meine Meinung ein. Denn er war sehr stolz und hochmütig. Alle Faden von Muhammed aus Nedschd nahm ich durch Safijje in die Hand.

Ein anderes Mal sagte ich ihm: “Nach einer Überlieferung machte der Prophet jeden von seinen Gefährten zum Glaubensbruder. Stimmt das? Er sagte: “Ja..” Daraufhin fragte ich: “Sind die Vorschriften des Islams vorläufig oder für immer?” Er: “Sie sind für immer. Denn erlaubte, und verbotene Dinge, die vom Propheten Muhammed als solche bezeichnet und mitgeteilt wurden, gelten bis zum Weltuntergang.” Da schlug ich ihm vor: “Dann wollen wir Brüder sein.” Und wir waren Brüder.

Von da an begleitete ich ihn überall, sogar auf jeder Reise. Ich legte auf seine Person großen Wert. Denn er war sozusagen der Baum, den ich angepflanzt hatte, für den ich die wertvollsten Tage meiner Jugend versäumte. Und nun begann ich die Früchte zu ernten.

Ich schickte jeden Monat einen Bericht nach London. Die zu mir gesandten Antworten waren sehr schätzend und ermunternd. Mir wurde klar, Muhammed aus Nedschd ging den von mir gezeigten Weg.

Meine Aufgabe war, ihm Freiheit, Selbständigkeit und Verdächtigung einzureden. Zu diesem Zweck sagte ich immer, er würde eine glänzende Zukunft haben und lobte ihn bei jeder Gelegenheit.

Eines Tages erfand ich einen Traum.: “Gestern Nacht träumte ich von unserem Propheten. [Dabei beschrieb ich auch seine Eigenschaften, welche ich von den islamischen Gelehrten gehört hatte.] Er saß auf einem Thron. Um ihn herum saßen die Gelehrten, die ich niemals kannte. Und da tratst du herein. Dein Gesicht glänzte wie ein Glaubenslicht. Während du an den Propheten herankamst, stand er auf und küßte dich zwischen den Augen. Er sagte: “Und du bist mein Namensvetter und der Erbe meines Wissens. Du bist mein Vertreter für irdische und jenseitige Angelegenheiten.” Daraufhin sagtest du: “O, Prophet ALLAHs! Ich fürchte mich, den Leuten mein Wissen bekanntzumachen.” Der Prophet antwortete: “Keine Angst! Du bist der Größte!”

Als Muhammed bin Abd-ul-wahhab von diesem Traum hörte, fand er daran große Freude. Er fragte mich in Erstaunen einige Male, ob ich richtig sage. Ich gab jedesmal die Antwort: “Ja.” Er war somit davon überzeugt, ich hätte das Richtige gesagt. Ich glaube, dass er von diesem Tag an entschlossen war, alles, was ich ihm einprägte, bekanntzugeben und eine neue Sekte zu gründen.[Das Buch “El-Fedschr-üs-Sâdik” von Dschemil Sýdký Sehâwî Effendi aus Bagdad wurde 1323 (1905) in Ägypten gedruckt und in Istanbul von Hakikat Kitabevi (Verlag) durch Offsetverfahren wiederaufgelegt. Sein Verfasser Dschemil Sýdký Sehawi hatte an der Universität den Lehrstuhl für “el-Islamijje” (Glaubenslehre des Islam). Während dieser Tätigkeit starb er 1354 (1936). Er schreibt im diesem Buch folgendes:

“Die verirrten Meinungen der Sekte Wahhabismus manifestierte Muhammed bin Abd-ul-wahhab 1143 (1730) in Nedschd. Er selbst wurde 1111 n.Hedschra (1699) geboren und starb 1207 (1792). DieseSekte wurde von dem Fürsten von Der’ijje Muhammed bin Su’ud (Saudi) durch blutigen Massaker verbreitet. Die Wahhabiten nannten die Muslime, die nicht ihrer eigenen Sekte angehörten, Götzendiener. Und sie behaupten: Alle diese sollten ihre Pilgerfahrt nach Mekka nachholen. Wie ihre Vorfahren seit sechs Jahrunderten ungläubig wären, seien diese auch ungläubig. Sie töteten die Muslime, die sich zu der Sekte “Wahhabismus” nicht bekehren wollten und beuteten ihre Güter aus. Sie sprachen Böses über den heiligen Propheten Muhammed, Friede sei mit Ihm, verbrannten die Rechts–, Auslegungs– und Hadithbücher und kommentierten den Koran nach ihrer eigenen Auffassung.

Sie behaupten danach, sie seien in derRechtsschule Hanbeli, um die Muslime zu täuschen. Jedoch verfaßten viele Gelehrten in der Rechtsschule Hanbeli Beurteilungs Bücher zur Widerlegung gegen sie und bewiesen, dass sie auf dem Irrweg sind. Da die Wahhabiten die Verbote als Erlaubte betrachten und die Propheten und die Heiligen geringschätzen, werden sie ungläubig. Die Fundamente der Religion "Wahhabismus" sind zehn:

1. Nach ihrem Glauben wäre ALLAH ein materielles Wesen. Er habe Hände, Gesicht und Seiten. (Dieser ähnelt sich dem christlichen Dogma Dreieinigkeit "Vater, Sohn und Heiliger Geist".)

2. Sie kommentieren den Koran nach ihrer eigenen Auffassung.

3. Alles, was die Gefährten des heiligen Propheten überlieferten, verleugnen sie.

4. Alles, was die islamischen Gelehrten mitteilten, lehnen sie ab.

5. Sie behaupten: Wer einer von vier bekannten Rechtsschulen folgt, wird ungläubig.

6. Sie behaupten, die Nichtwahhabiten seien ungläubig.

7. Sie sagen aus: Wer beim Beten den Propheten oder Heilige zum Vermittler macht, wird ungläubig.

8. Es sei verboten, die Grabmäler des Propheten oder der Heiligen zu besuchen.

9. Sie behaupten: Wer bei anderen außer ALLAH schwört, sei ungläubig.

10. Sie sagen aus: Wer für andere außer ALLAH ein Gelübde ablegt, und ein Opfertier an dem Grabmal eines Heiligen schlachtet, sei
auch ungläubig. In diesem Buch von mir werden diese zehn Dogmen durch die Beweise ungültig gemacht." Wenn man dies richtig beachtet, so versteht es sich von selbst, dass diese zehn Fundamente des Wahhabismus eigentlich eine erfundene Glaubenslehre sind, die Hempher Muhammed aus Nedsch einprägte.

Die britischen Agenten veröffentlichten die Geständnisse von Hempher, um das Christentum zu propagieren. Sie verfälschten darin die islamischen Kenntnisse, um die muslimische Jugend hereinzulegen. Dieses vorliegende Buch veröffentlichen wir, um die erwähnten Lügen und Verleumdungen zu zeigen und unsere Jugend vor diesen britischen Hinterhältigkeit zu warnen.]

 

Kapitel-I
5. Teil

Zur der Zeit, wo ich mit Muhammed aus Nedschd eng befreundet war, bekam ich einen neuen Auftrag aus London, in die Städte Kerbela und Nedschef zu fahren, welche für Schi’iten heilig und ein Zentrum ihrer Wissenschaft und Geistlichkeit waren. Ich musste mich also von Muhammed aus Nedschd verabschieden und Basra verlassen. So machte ich mich auf den Weg in Freude und mit der Überzeugung, dass dieser unwissende Mann, dessen Moral schon verdorben wurde, in Zukunft eine neue Sekte gründen und die islamische Religion innerlich zerstören würde und dass ich selber die Irrlehre dieser Sekte schon bereitgestellt hatte.

Das Grabmal von Ali, der nach den Sunniten der vierte, nach den Schi’iten aber der erste Kalif ist, ist in Nedschef. Die Stadt Kûfe, die sich in einer Entfernung befindet, die man in einer Stunde von dort nach Nedschef zu Fuß gehen konnte, war Residenz von Ali. Als Ali ermordet wurde, beerdigten ihn seine Söhne Hassen und Hussejn außerhalb von Kûfe in dem Nedschef genannten Ort. Später begann Nedschef zu gedeihen, die Stadt Kûfe dagegen ihre Bedeutung zu verlieren. Die schi’itischen Geistlichen kamen alle nach Nedschef. Dort wurden Häuser, Läden und islamische Hochschulen gebaut.

Der Kalif der Muslime in Istanbul überhäufte sie mit Geschenken. Der Grund dafür war:

1. Die schi’itische Regierung im Iran unterstützte die Schi’iten in Nedschef. Wenn sich der Kalif in ihre staatlichen Sachen eingemischt hätte, wären die Beziehungen zwischen beiden Staaten gefährdet, es wäre sogar mit dem Krieg zu rechnen.

2. Es waren viele Volkstämme bei Nedschef, die Schi’iten mit ihren Waffen unterstützten. Ihre Waffen und Organisationen waren zwar nicht so wichtig, aber der Kalif könnte gegen sie den Krieg erklären.

3. Die Schi’iten in Nedschef waren eine führende Quelle für die Schi’iten in Indien, Afrika und auf aller Welt. Wenn der Kalif sie gestört hätte, hätte es die ganze schi’itische Welt empört.

Hussejn bin Ali, der Enkel des Propheten, d.h. der Sohn Fatýma, der Tochter des Propheten fand in Kerbela den Märtyrertod. Dies geschah wie folgt: Das Volk von Irak lud Hussejn dazu ein, ihn zum Kalifen zu machen. Als seine Familie und er an die Grenze von Kerbela kamen, traten die Iraker von ihrem Beschluss zurück. Im Gegenteil versuchten sie im Auftrag des omajjadischen Kalifen Jesid bin Muawije, ihn zu fangen. Hussejn und seine Verwandten kämpften gegen irakische Armee sehr tapfer bis zum Heldentod. Ihm gegenüber war die irakische Armee der Sieger. Seit diesem Tag machten die Schi’iten diese Stätte zu ihrem geistlichen Zentrum. Die Schi’iten aus allen Gebieten kommen dort zusammen. Ein solches religiöses Fest gibt es sogar in unserer Religion “Christentum” nicht.

Kerbela ist eine schi’itische Stadt, wo es schi’itische Hochschulen gibt. Kerbela und Nedschef unterstützen sich einander. Nachdem ich den Auftrag bekam, in diese zwei Städte zu fahren, ging ich über Basra nach Bagdad und von dort in die Kreisstadt “Hulle” am Euphrat.

Die Flüsse Tigris und Euphrat, die in der Türkei entspringen, fliessen durch Irak und münden in den Golf Basra. Irak ist, von der Landwirtschaft und dem Wohlstand her auf diese beiden Flüsse angewiesen.

Nach meiner Rückkehr nach London schlug ich dem Kolonialministerium vor, einen Plan dafür zu entwickeln, das Bett dieser zwei Flüsse zu verlegen, damit wir im Notfall Irak zwingen könnten, unsere Aufforderungen anzunehmen. Denn Irak müsste unsere Forderungen erfüllen, um Wasser zu bekommen.

In Geschäftsmannsbekleidung aus Aserbeidschan ging ich durch Hulle nach Nedschef. Ich war mit den schiitischen Geistlichen befreundet und begann sie zu täuschen. Ich nahm an ihrem Unterricht teil. Ich stellte fest, sie leisteten im Vergleich zu den Sunniten keine Arbeit im Bereich der Naturwissenschaften und hatten die Sittlichkeit der Sunniten nicht. Zum Beispiel:

1. Dem osmanischen Staat waren sie äußerst feindlich gesinnt. Denn sie waren schi’itisch und die Türken sunnitisch. Sie nannten die Sunniten Ungläubige.

2. Die Schi’itischen Gelehrten richteten sich, wie es bei uns die Pfarrer, während der Zeit des Stillstands taten, nur nach den religiösen Wissenschaften und befassten sich dagegen mit den Naturwissenschaften sehr gering.

3. Sie hatten keine Kenntnisse über den Geist und die Erhabenheit des Islams und die Fortschritte in der Wissenschaft und der Technik. Ich dachte mir: Wie arm sind doch die Schi’iten! Während die ganze Menschheit wach wird, schlafen sie.

Ich hetzte sie auf, gegen den Kalifen zu rebellieren. Keine von ihnen hörte auf mich. Einige spotteten mit mir. Nach ihrer Meinung, hätte ich gesagt, dass sie gegen die ganze Welt rebellieren sollten. Denn sie sahen das Kalifat als eine nicht zu erobernde Burg an. Nach ihnen könnten sie sich erst nach dem Aufkommen des erwartendem Messias, ihrem zwölften Religionsführer, von dem Kalifat befreien. Nach ihnen ist Messias, der dem Nachkommen des Propheten des Islams angehörte, im Jahre 255 nach Hedschra verschwunden. Er lebe zur Zeit und werde eines Tages auftauchen und in der Welt, die voll mit Unterdrückung und Ungerechtigkeit ist, Gerechtigkeit schaffen.

Eines Tages fragte ich einen von ihnen: “Ist es euch nicht geboten, Ungerechtigkeit zu verhindern, wie es der Prophet getan hat?”

Er erwiderte: “ALLAH war sein Helfer. Dadurch gelang es ihm, Ungerechtigkeit zu beseitigen.”

Ich antwortete: ‘Im Koran steht: “Wenn ihr ALLAHs Religion helft, hilft ER euch auch.”[Die Sure Muhammed, heiliger Vers 7. dass man für die Verbreitung der islamischen Religion ALLAHs, des Erhabenen, hilft, heißt, dem Religionsgesetz, den Geboten und Verboten zu folgen und sich für ihre Bekanntmachung anzustrengen. Gegen die Regierung zu rebellieren bedeutet die Zerstörung der Religion.] Wenn Ihr auch gegenüber der Ungerechtigkeit eures Schahs nach eurem Säbel greift, wird ALLAH euch auch helfen.’

Seine Antwort war: “Du bist ein Kaufmann und diese Sachen sind doch rein wissenschaftlich. Du bist also nicht imstande, solche Angelegenheiten zu begreifen.”

Das Mausoleum von Ali, dem Führer der Muslimen, war reichlich verziert. Es hatte einen schönen Hof, eine vergoldete, große Kuppel und zwei große Minaretten. Jeden Tag besuchten zahlreiche Schiiten dieses Mauseleum und verrichteten das Gebet in der Gemeinschaft. Jeder Besucher küsste zuerst die Türschwelle, grüßte ihn dann in Richtung des Mausoleums. Er bat zuerst um Erlaubnis zum Eintreten, dann durfte er hineintreten. Der Hof des Mausoleums war sehr groß und hatte zahlreiche Zimmer für die Geistlichen und Besucher.

In Kerbela gab es zwei Mausoleen, die dem von Ali ähnelten. Das eine gehörte Hussejn, das andere Abbâs, seinem Bruder, der mit ihm in Kerbela den Märtyrertod fand. Die Schiiten taten auch in Kerbela das gleiche von dem, was sie als religiöse Zeremonie in Nedschef taten. Das Klima in Kerbela war schöner als das in Nedschef. In der Umgebung von Kerbela befanden sich schöne Obstgärten und zahlreiche Bäche.

Auf der Reise nach Irak traf mich ein Zustand, der mir Freude machte: Manche Ereignisse wiesen in unmittelbarer Zeit, auf den Untergang des Osmanischen Reiches hin. Denn der Gouverneur, den die Istanbuler Regierung ernannte, war ignorant und grausam. Er regierte willkürlich. Das Volk war nicht mit ihm zufrieden. Die Sunniten waren mit dem Gouverneur unzufrieden, da er ihre Freiheit und Rechte einschränkte und sie missachtete. So ging es auch mit den Schiiten, da sie von einem türkischen Gouverneur verwaltet wurden, während die Nachkommen des Propheten der Verwaltung würdig waren.

Der Zustand der Schiiten war elend. Sie lebten in Schmutz und Ruinen. Die Wege waren unsicher. Die Banditen lauerten Karawanen auf und griffen Soldaten ohne Schutz sofort an. Deshalb machten sich die Karawanen nicht auf den Weg, solange die Regierung keine Spezialtruppe zu ihrem Schutz mitschickte. Unter den schiitischen Volksstämmen gab es oft Streitigkeiten. Jeden Tag töteten und plünderten sie sich einander aus. Unter ihnen war Unwissenheit verbreitet. Dieser Zustand der Schiiten erinnerte mich an die Zeiten, wo die Kirche über das ganze Europa herrschte. Außer den Geistlichen und einer ihnen angehörenden Minderheit konnte kaum einer von tausend Schiiten lesen und schreiben.

Das wirtschaftliche Leben war vollkommen verfallen, die Leute litten unter Not und Armut. Und die staatliche Ordnung funktionierte kaum. Die Schiiten begangen Verrat an der Regierung.

Der Staat und das Volk misstrauten einander. Deshalb waren sie sich gegenseitig nicht hilfsbereit. Die schiitischen Geistlichen machten sich daran, die Sunniten anzuschwärzen, und entfernten sich von den Naturwissenschaften.

Ich blieb vier Monate lang in Kerbela und Nedschef. Ich litt in Nedschef an einer schweren Krankheit. Es kam mir so vor, als ob ich niemals Genesung finden würde. Drei Wochen lang lag ich im Bett. Später ging ich zum Arzt. Er verschrieb mir manche Medikamente. Nachdem ich diese Medikamente einnahm, wurde ich allmählich gesund. Während meiner Krankheit war ich in einem Kellerzimmer untergebracht.

Unser Hauswirt pflegte mich und gab mir meine Medi-kamente gegen einen kleinen Lohn und hoffte durch seine Wohltat auf ein Verdienst. Denn ich war für ihn ein Besucher von Ali, Führer der Gläubigen. In den ersten Tagen empfahl mir der Arzt, nur Hühnersuppe zu essen. Später erlaubte er mir auch Hühnerfleisch. In der dritten Woche durfte ich Reissuppe essen. Nach meiner Genesung reiste ich nach Bagdad. Dort bereitete ich einen hundertseitigen Bericht über Nedschef, Hulle, Bagdad und meine Feststellungen vor. Ich übergab ihn dem Vertreter des Kolonialministeriums in Bagdad. Dazwischen wartete ich auf einen Auftrag vom Kolonialministerium, ob ich im Irak bleiben oder nach London zurückkehren sollte.

Mein Wunsch war es, in meine Heimat zurückzukehren. Denn ich war lange Zeit im Ausland geblieben. Ich sehnte mich sehr nach meiner Heimat und Familie. Besonders wollte ich meinen Sohn Rasbutin sehen, der nach meiner Abfahrt zur Welt gekommen war. Deshalb verlangte ich gleich nach der Vorlage meines Berichts ans Kolonialministerium, die Genehmigung, nach London zurückkehren, auch wenn es für kurze Zeit sein sollte. Ich hatte ja die Absicht, die Erlebnisse meiner drei jährigen Dienstreise in Irak mündlich zu erzählen und mich einwenig davon zu erholen. Der irakische Vertreter des Ministeriums schärfte mir ein, dass ich ihn selten besuchen und in einem Han ein Zimmer am Tigris mieten sollte, damit mich niemand verdächtigte und er sagte: “Wenn wir aus London Post bekommen, verkünde ich dir die Antwort des Ministeriums”. Während ich in Bagdad war, stellte ich die geistige Entfernung und Verfremdung zwischen Istanbul, dem Zentrum des Kalifats, und Bagdad fest.

Nachdem ich von Basra aus in Kerbela und Nedschef eintraf, beunruhigte es mich sehr, ob Muhammed aus Nedschd von dem Weg abkommen war, den ich ihm gezeigt hatte. Denn er hatte einen veränderlichen und nervösen Charakter. Ich befürchtete, all meine Bestrebungen und Hoffnung wären umsonst gewesen, welche ich auf ihn gegründet hatte.

Als ich mich von ihm verabschiedete, hatte er die Absicht, nach Istanbul zu fahren. Ich schärfte ihm sehr stark ein, auf diese Absicht zu verzichten und sagte darüber: “Wenn du dorthin gehst, sagst du vielleicht ein Wort, aufgrund dessen sie dich als ungläubig bezeichnen und dich deswegen töten könnten!”

Ich meinte mit diesen Worten etwas anderes. Meine Befürchtung war folgendes: Wenn er dorthing ginge, würde er die falsche Glaubenslehre verlieren, die ich ihm eingeprägt hatte. Denn er könnte dort große islamische Gelehrte treffen und wieder den wahren islamischen Glauben, den Glauben der Anhänger der Sunna, besitzen. Dadurch würden all meine Bestrebungen verloren gehen. Denn in Istanbul herrschte das Wissen und die Moral des Islams.

Ich empfahl ihm, nach Isfehan oder nach Schiraz zu gehen, als ich merkte, dass er nicht mehr in Basra bleiben wollte. Denn jene zwei Städte waren sehr schön. Deren Bevölkerung gehörte der schiitischen Sekte an. Die Schiiten hatten keine Chance, auf Muhammed aus Nedschd eine Wirkung auszuüben. Der Grund dafür war, dass es den Schiiten an Wissen und Sittlichkeit fehlten. Daher war ich davon fest überzeugt, dass er von dem Weg, auf den ich ihn gezogen hatte, nicht abgehen würde.

Während des Abschieds fragte ich, ob er Scheinheiligkeit anerkannte. Er erklärte: “Ja, ich akzeptiere es. Denn einer der Gefährten des Propheten bekannte sich zur Vielgötterei, als die Götzendiener ihn folterten und seine Eltern töteten; er übte Scheinheiligkeit aus. Da wandte der Prophet ihm nichts ein”. Daraufhin machte ich ihn aufmerksam: “Du solltest Scheinheiligkeit ausüben, du darfst also nicht sagen, du seiest Sunnit, sonst könntest du Unglück erleben. Versuch also in ihrem Land und von ihren Gelehrten Nutzen zu ziehen! Erforscht ihre Traditionen und ihre Sekte! Denn sie sind unwissend und eigensinnig.”

Vor dem Abschied gab ich ihm als Armensteuer (Sekât) eine Menge Geld. Sekat ist eine islamische Steuer, die den Armen verteilt wird. Außerdem kaufte und verschenkte ich ihm ein Lasttier. Auf diese Weise verabschiedeten wir uns.

Nach dem Abschied hörte ich nichts mehr von ihm. Das beunruhigte mich sehr. Vorher hatten wir uns verabredet, uns wieder in Basra zu treffen. Und wer früher in Basra ankommen sollte, sollte bei Abdurresa einen Brief hinterlassen.
                         

BRITISCHE GRAUSAMKEIT

[1] Im Kalender mit dem Datum des 2. Juli 1995 der Zeitung Türkiye Gazetesi steht folgendes:

Es wurde festgestellt, dass eine britische Verbrecherorganisation Babys enführte und deren Organe zur Transplantaiton verkaufte. Von Brasilien wurde berichtet, dass die internationele Organisation zur Organtransplantation in Cambridge Untersuchungen darüber anstellt. Es wurde mitgeteilt, dass sich manche britische Krankenhäuser für diese Babyorgane interessieren und sie zu höchsten Preisen kaufen.

[2] In der Zeitung Türkiye Gazetesi mit dem Datum 4 Juli 1995 steht wie folgt:

Die mehr als 60 muslimischen Chemiestudenten kamen nach England, um ihr Doktor zu machen. Sie wurden in New Castle, einem Stadteil, in dem arme Leute wohnen, untergebracht. Einer von ihnen namens Mustafa Arslanoðlu wurde in der Nacht bei der Heimkehr von zwei Briten, die aus einer Kirche kamen, gesteinigt und geprügelt, bis er ohnmächtig wurde. Danach gossen sie auf ihn Petroleum, um ihn zu verbrennen. Glücklicherweise funktionierte ihr Feurzeug nicht. Ein Mädchen, das diesen Vorfall aus dem Balkon ihres Hauses sah, verständigte sofort die Polizei. Die Verbrecher, welche Feinde des Islams waren, versteckten sich in der Kirche.

[3] In der gleichen Zeitung heißt es:

In Bosnien sterben täglich hunderte von Menschen aus Hunger und infolge ihrer Verwundungen. Die Eltern, die es nicht ertragen können, wie ihre Kinder jammern und aus Hunger ohnmächtig werden, verlassen zeitweise ihre Häuser. Die Serben nehmen ihnen ihre Nahrungsmittel, die von islämischen Ländern geschickt werden, gewaltsam weg. Die Soldaten der Vereinten Nationen unter britischem Kommando spionieren für die Serben. Diese Soldaten und christlichen Touristen, die als Feinde des Islams aus europäischen Ländern kommen, stossen ihre Gläsern an, während die Moslems ermordet werden. Diese Grausamkeit in Bosnien wurde von den Briten geplant. Sie begangen 1988 in Kosovo ihren Plan auszuführen. Milossowitsch wurde als Marionette gewählt. Die Briten sagten den Serben: “Keine Panik! Wir unterstützen euch!”

 

Kapitel-I
6. Teil

Ich blieb eine Zeitlang in Bagdad. Später bekam ich den Auftrag, nach London zurückzukehren. So kehrte ich nach London zurück. Ich sprach in London mit dem Sekretär und den Zuständigen des Kolonialministeriums. Ich erzählte ihnen, was ich auf meiner langen Reise getan hatte und von meinen Beobachtungen sowie Feststellungen. Meine Informationen über Irak freute sie sehr und sie drückten mir ihre Danksagungen aus. Sie hatten ja auch meinen vorigen Bericht schon gelesen. Auch Safiyye, die angebliche Frau von Muhammed aus Nedschd, hatte einen Bericht geschickt, der meinem glich. Soweit ich später erfuhr, verfolgten mich die Männer des Ministeriums auf jeder Reise. Sie gaben auch ihre Berichte an, welche mit dem meinigen und meinen Aussagen, die ich vor dem Sekretär machte, übereinstimmten.

Der Sekretär gab mir für die Besprechung mit dem Minister einen Termin. Als ich den Minister besuchte, empfing er mich besser, als er es nach meiner Rückkehr aus Istanbul getan hatte. Ich spürte, dass er diesmal einen großen Wert auf mich legte.

Der Minister war damit sehr zufrieden, dass ich Muhammed aus Nedschd völlig in meine Hand genommen hatte. Er sagte: “Er ist die günstigste Waffe, wonach unser Ministerium suchte. Du solltest ihm alles Mögliche versprechen. Es lohnt sich, wenn du dich allein um ihn kümmerst.”

Daraufhin sagte ich: “Ich fühle mich beunruhigt wegen Muhammed aus Nedschd. Denn er könnte jederzeit seine Ansichten und Weltanschaung ändern.” Er tröstete mich: “Mach dir keine Sorgen. Das dürfte niemals geschehen. Denn unsere Agenten in Isfehan waren seit deinem Abschied bei ihm und benachrichtigten das Ministerium, dass sich gar nichts bei ihm geändert hatte.”

Ich dachte mir inzwischen: “Wie konnte Muhammed aus Nedschd seine Geheimnisse mit anderen teilen?” Ich konnte den Minister nicht danach fragen. Aber als ich später mit Muhammed wieder zusammenkam, erzählte er mir von einer Unterhaltung in Isfehan mit einem Mann namens Abd-ul-kerim. Abd-ul-kerim betrug ihn mit den Worten: “Ich bin Bruder von Scheich Muhammed. (Er meinte mich) Er erklärte mir alles, was er über dich weiß.” So erfuhr er seine Geheimnisse.

Muhammed aus Nedschd erzählte mir noch: “Safijje kam mit mir nach Isfehan. In dieser Stadt lebten wir mit befristeter Ehe noch zwei Monate zusammen. Abd-ul-kerim kam auch mit mir nach Schiraz und fand für mich noch eine andere Frau namens Asije, die schöner und reizender als Safijje war. Unter befristeter Ehe verbrachte ich meine schönsten Zeiten mit ihr.”

Wie ich später erfuhr, war Abd-ul-kerim ein christlicher Agent des Kolonialministeriums, der in Dschelfa bei Isfehan wohnte.

Asije war eine Jüdin aus Schiraz, sie war auch eine Agentin des Ministeriums. Wir alle vier erzogen sozusagen Muhammed aus Nedschd wie einen Soldaten, der alles, was sein Vorgesetzter von ihm verlangt, aufs Beste erfüllen sollte.

Als ich dem Minister und den zwei unbekannten Angehörigen des Ministeriums all diese Ereignisse erzählte, sagte der Minister: “Du verdienst den größten Orden des Ministeriums. Der Sekretär wird dir einige staatliche Geheimnisse offenbaren, welche dir bei deiner Arbeit helfen sollten.”

Später wurde mir genehmigt, mich zehn Tage bei meiner Familie aufzuhalten. Sofort fuhr ich zu meiner Familie. Ich verbrachte mit meinem Sohn, der mir sehr ähnelte, glückliche Zeiten. Er konnte einige Wörter aussprechen und lief so tüchtig, dass er auf mich den Eindruck machte, als bewegte sich zur gleichen Zeit ein Teil meines Körpers. Diese Genehmigung von zehn Tagen verging voll mit Freude und Lust. Es kam mir vor Freude so vor, als würde ich fliegen. Es war großartig, meine Heimat und Familie zu sehen. Währenddessen besuchte ich auch meine alte Tante, die mich sehr liebte. Dieser Besuch war zur günstigsten Zeit, denn meine Tante starb, als ich auf der dritten Reise war. Ich wurde sehr traurig über ihren Tod. Diese zehn Tage vergingen mir so schnell, als wäre es eine Stunde gewesen. Ich erinnerte mich an die Zeiten in Nedschef, wo ich krank geworden war. Jene schwermütigen Tage waren mir gleich wie Jahre vorgekommen.

Als ich zum Erhalten neuer Auftrage zum Kolonial-ministerium ging, empfing mich ein liebenswürdiger, schlanker Sekretär vor der Tür. Er drückte meine Hände so freundlich, dass ich das Gefühl hatte, er hätte mich gern.

Er sagte: “Ich soll dir zwei sehr wichtige staatliche Geheimnisse im Auftrag unseres Ministers und des Komitees für Kolonien anvertrauen. In Zukunft wirst du aus diesen zwei Geheimnissen großen Nutzen ziehen. Diese sind nur einigen Personen bekannt, die wirklich vollkommen vertrauenswürdig sind.

Er führte mich in ein Büro des Ministeriums. Hier erlebte ich ein nicht zu vergessendes Ereignis: Zehn Leute saßen um einen runden Tisch. Der Erste von ihnen Trug die Kleidung des osmanischen Sultans. Er konnte Türkisch und Englisch. Der Zweite war wie der Scheich-ül-Islam in Istanbul (die größte islamische Autorität) gekleidet. Der Dritte sah wie ein iranischer Schah aus und der Vierte wie ein Minister im iranischen Palast. Der Fünfte war in Kleidung des größten Gelehrten in Nedschef, deren Anhänger die Schiiten waren. Diese drei Letzten konnten persisch und englisch. Neben diesen Personen war je ein Sekretär, der notierte, was gesagt wurde. Die Sekretäre übermittelten diesen Personen Informationen, welche die Spionen in Istanbul, Nedschef und in Iran über fünf eigentliche Persönlichkeiten, deren Rollen sie spielten, zusammenbrachten.

Der Sekretär erklärte: “Diese fünf Personen spielen die Rollen der bedeutenden Persönlichkeiten in oben erwähnten Orten. Wir bildeten sie wie die betreffenden Personen aus, damit wir erfahren können, welche Ansichten, Reaktionen und Meinungen diese haben. Die bei uns eingegangenen Informationen über diese fünf in Istanbul, Tahran und Nedschef leiten wir diesen weiter. Sie sehen sich sozusagen als Doppelgänger von angesehenen Persönlichkeiten in diesen Ländern an. Wir fragen sie und sie antworten uns. Nach unseren Feststellungen sind die Antworten der Doppelgänger hier, mit den Antworten ihrer eigentlichen Persönlichkeiten dort, 70% übereinstimmend. Wenn du willst, darfst du zur Probe einige Fragen stellen. Du hattest ja vorher den Gelehrten aus Nedschef gesprochen.”

Ich sagte: “Gut.” Denn ich hatte mit dem größten Gelehrten der Schiiten in Nedschef gesprochen und ihn über manchen Themen einige Fragen gestellt. So näherte ich mich seinem Doppelgänger und sagte: “Herr Lehrer, wäre es zulässig, gegen die Regierung den Krieg zu erklären, da sie sunnitisch und fanatisch ist?” Nach einer kurzen Überlegung antwortete er: “Nein, es ist nicht zulässig, selbst wenn die Regierung den sunnitischen Glauben besitzt. Denn alle Muslime sind Glaubensbrüder. Erst wenn sie die islamische Religionsgemeinschaft unterdrückt, so dürfen wir den Krieg erklären. Dabei sollten wir aber die Bedingungen des Bekanntmachens der Gebote und Verbote des Erhabenen einhalten. Wenn sie mit der Unterdrückung aufhören, so müssen wir auch mit dem Streit aufhören.”

Ich fragte daraufhin: “Dürfte ich Sie nach Ihrer Meinung fragen, ob die Juden und Christen unrein sind?”

Er: “Ja, sie sind unrein. Man sollte sich von ihnen fernhalten.”

Ich: “Warum”?

Er: “DieseHaltung bedeutet eine Vergeltung gegen ihre Verachtung. Denn sie bezeichnen uns als Ungläubige und widerrufen unseren Propheten Muhammed, Friede sei mit Ihm.”

Ich fragte noch: “Herr Lehrer, die Reinheit kommt vom Glauben, nicht wahr? Warum hält man also die Umgebung des Mausoleums von St. Ali, die Straßen und diePlätze nicht sauber? Man kann sogar nicht von derSauberkeit der wissentschaftlichen Hochschulen reden.”

Seine Antwort: “Ja, wahrlich ist die Sauberkeit von dem Glauben abhängig. Es ist zum Bedauern richtig, dass dieSchiiten die Sauberkeit nicht ernst nehmen. Es ist leider nichts dagegen zu tun.”

Die Antworten dieses Mannes im Ministerium waren mit denen des schiitischen Gelehrten in Nedschef völlig gleichlautend. Diese Übereinstimmung wunderte mich. Ausserdem konnte er auch Persisch.

Der Sekretär sagte noch: “Wenn du vorher auch die eigentlichen Personen von den anderen vier angeblichen Doppelgängern zu Gesicht bekommen hättest, hättest du nun die Gelegenheit gehabt, mit den Doppelgängern ein Gespräch abzuhalten und die Übereinstimmung zu erleben.”

Ich sagte daraufhin: Es ist mir auch geläufig, wie der Scheichul-Islam denkt. Denn Ahmed Effendi, mein Lehrer in Istanbul, erzählte mir viel von ihm. Der Sekretär sagte: “Also, gut. Dann kannst du mit seinem Doppelgänger sprechen.”

Ich kam dem angeblichen Doppelgänger des Scheich ul-Islam nahe und fragte ihn: “Ist es eine unentbehrliche Verpflichtung, dem Kalifen zu gehorchen?”

Er antwortete: “Ja, es ist nötig. Wie es unentbehrlich ist, ALLAH und dem Propheten zu folgen, so ist das auch nötig.”

Ich: “Ist dafür ein Beweismittel vorhanden?”

Seine Antwort: “Hast du nicht von jenem heiligen Vers ALLAHs gehört?”: “O Gläubige, gehorchet ALLAH, gehorchet seinem Gesandten und denen, die eure Vorgesetzten sind.</